Im Stillen rechnen die mehr als 200 Krankenkassen immer intensiver, wie sie künftig im verschärften Wettbewerb dastehen, wo sie mehr leisten und wo sie sparen können. Das Gros der Versicherten muss mit teils deutlich höheren Beiträgen, aber auch einer Vielfalt von Angeboten und veränderten Leistungen ihrer Kassen rechnen.
Viele Menschen wurden in den vergangenen Tagen aufgeschreckt von Warnungen einzelner Kassen vor zu erwartenden Fehlentwicklungen. "So werden Millionen von Versichertendaten durchanalysiert", sagte der Vorsitzende der bayerischen Betriebskrankenkassen, Jörg Saatkamp, in der ARD-Sendung "Panorama". Parallel zum Gesundheitsfonds wird nämlich Anfang 2009 ein neuer Finanzausgleich eingeführt. Kassen erhalten pro Versicherten Pauschalen - plus Zuschläge für 80 Krankheiten. Die Warnung lautete: Massenweise würden Versicherte zumindest statistisch krank gehalten, um den Kassen Zuschläge zu sichern.
Eberhard Wille hat die künftigen Strategien der Kassen mit Kollegen analysiert. Der Vorsitzende des Sachverständigenrats für die Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen sagt: "Nach den Ergebnissen unserer Umfrage gehen die Krankenkassen davon aus, dass sie mit gut gemanagten Chronikern Überschüsse erzielen können." Für die Gesunden bleibe weniger Geld übrig - allerdings verursachen sie weiter die geringsten Kosten und blieben folglich ebenfalls attraktiv für die Kassen. Demnach müssen sich die Kassen vor allem bemühen, Chroniker wie Asthmatiker oder Diabetiker gut zu versorgen. Wenn der Zustand der Kranken ordentlich bleibt, bekommen die Kassen die Zuschläge - die Behandlungskosten halten sich aber in Grenzen.
Für die Versicherten werden die Umbrüche zunächst im Geldbeutel unmittelbar spürbar. 15,2 Prozent, 15,5 oder 15,8 vom Monatseinkommen - immer hitziger wird über den erstmals einheitlichen Beitragssatz spekuliert, den nicht mehr die Kassen, sondern die Bundesregierung bis November festlegt. Derzeit beträgt der Durchschnittssatz inklusive Sonderbeitrag der Versicherten 14,92 Prozent. Bei heute preisgünstigen Kassen könnte sich ein Beitragssprung von mehr als 800 Euro im Jahr ergeben.
Allerdings können Kassen Gewinnüberschüsse an die Versicherten zurückzahlen - wer Verlust macht, muss jedoch Zusatzbeiträge erheben.
Raffiniertere Möglichkeiten ergeben sich für Kassen, die Geld ausschütten könnten. Manche Kritiker fürchten, dass über den Versicherten bald körbeweise Werbe-Post ausgeschüttet wird - mit Angeboten für Hausarzt-Tarifverträge, Selbstbehalt und vielen anderen Wahlmöglichkeiten.