Aber in der Sache hat ihr Wunsch gute Chancen wahr zu werden. Gab es 1992 noch mehr als 1200 gesetzliche Krankenkassen, so waren es zu Beginn dieses Jahres nur noch 203. Das Bundesversicherungsamt geht davon aus, dass bis Mitte 2009 weitere neun Kassen vom Markt verschwinden. "Am Ende des Jahres könnten wir schon bei 170 oder 180 Kassen landen", prophezeit der Bremer Gesundheitsökonom Gerd Glaeske. In drei bis vier Jahren werde die Zahl dann schon deutlich unter 100 liegen. Fusionsursache ist der am 1. Januar in Kraft getretene Gesundheitsfonds. Vor allem Betriebskrankenkassen (BKK), die über eine gesunde Klientel verfügen und deshalb mit niedrigen Beitragssätzen punkten konnten, haben ihren Wettbewerbsvorteil verloren. Mit dem Fonds gilt ein Einheitssatz von 15,5 Prozent für alle. Und wer vergleichsweise wenige kranke Versicherte hat, bekommt als Kasse aus dem Fonds auch weniger Geld. Bei den BKK ist das Fusionsfieber folglich am höchsten. Zum 1. Januar verschwand knapp ein Dutzend vom Markt. Das betriebswirtschaftliche Interesse an möglichst vielen Kassenmitgliedern geht ebenfalls auf neuere gesundheitspolitische Beschlüsse zurück. So können Krankenkassen jetzt auch mit einzelnen Ärztegruppen Verträge schließen und mit Pharmaunternehmen Rabatte für Medikamente aushandeln. "Wenn eine Kasse zum Beispiel strukturierte Behandlungsprogramme gegen Depressionen anbietet und dazu auf bestimmte Therapien drängt, dann hat die Kasse natürlich eine bessere Verhandlungsposition, wenn sie den Ärzten nicht zwei Prozent der Patienten bringt, sondern zehn oder 20 Prozent", erläutert Glaeske. Zudem erhalten die Kassen aus dem Gesundheitsfonds für jeden Versicherten eine Pauschale, die sich nach Alter, Geschlecht und Gesundheitszustand ausrichtet. Dadurch werden auch kostenlos mitversicherte Familienangehörige attraktiv.Fragt sich nur, ob die Marktbereinigung stets zum Nutzen der Patienten ist. Die Ministerin hat keine Zweifel. Denn statt um gesunde Mitglieder müssten die Kassen nun mit guten Angeboten und dem besten Service konkurrieren. Nach Einschätzung Glaeskes könnten die Kassen für eine Übergangs zeit bei der Patientenversorgung sparen. Denn einstweilen wagt noch kein Institut, einen Zusatzbeitrag zu erheben. Der würde fällig, wenn die Zuweisungen aus dem Fonds zu knapp bemessen sind. Insofern müssten die Patienten begreifen, dass ein Zusatzbeitrag nicht grundsätzlich auf schlechtes Wirtschaften schließen lasse, argumentiert Glaeske. "Der Zusatzbeitrag kann auch für eine bessere Versorgung der Versicherten stehen."