Eine wichtige Aufgabe der Schulen ist nach Einschätzung von Kunde, die Schüler „ausbildungsfähig“ zu machen. Dazu müsse ein enger Kontakt zwischen Schule und vor Ort ansässigen Unternehmen gehalten werden. Berufsorientierung könne nur in Kooperation mit der Wirtschaft erfolgreich sein und fördere zudem die Persönlichkeitsentwicklung der Jugendlichen.
„Als Bewerber um einen Ausbildungsplatz muss man überzeugen können“, erklärt Beraterin Frohberg. Die Mädchen und Jungen haben nach dem Schulabschluss oft nicht mehr vorzuweisen als einen kurzen Lebenslauf und das Schulabgangszeugnis. „Da muss man im Anschreiben unbedingt neugierig auf sich machen und besser sein als jeder andere“, erläutert Frohberg. Eine gute Praktikumsbewertung oder ein Schreibmaschinenkurs könnten da Gold wert sein. Regine Kunde vom Kultusministerium in Dresden fügte hinzu, „Schüler müssen einen gewissen Grad an Selbstkompetenz entwickeln, um in der Lehrstellensuche erfolgreich zu sein“.
Die Magdeburger Beraterin Soding sagte, spätestens in dem Schuljahr vor dem Abschluss sollten die Mädchen und Jungen sich mit ihren Berufswünschen auseinander setzen. Sie warnt dabei allerdings vor zu viel Idealismus. „Eine Ausbildung nur nach Interessen zu suchen, reicht in der Regel nicht aus“. Zudem erwarte sie von vielen Jugendlichen eine größere Ernsthaftigkeit bei der Ausbildungsplatzsuche.
Ihr Kollege Peter Göpfert von der Arbeitsagentur in Erfurt verwies auf die oft schwere Aufgabe der Berufsberater. Den jungen Menschen müssten Illusionen genommen und die Marktchancen ihrer Berufswünsche erläutert werden, sagt er. Zudem müssten sie lernen, dass es mitunter auf den ersten Eindruck ankomme. Eine Formulierung in der Bewerbung wie „Die Arbeitsagentur schickt mich“ sei wenig hilfreich.

Hintergrund Weniger Lehrstellen
 Das Lehrstellenangebot in Sachsen ist 2003 leicht zurück gegangen. Nach Angaben des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) sank die Zahl der neugeschlossenen Ausbildungsverträgen um 460 auf insgesamt 30 665. Dies sei ein Rückgang von rund 1,4 Prozent. Dem stehe ein bundesweiter Verlust von 2,6 Prozent an Lehrstellenangeboten gegenüber.
Im Jahr 2002 waren im Freistaat Sachsen insgesamt 94 852 Auszubildende beschäftigt. 62 Prozent aller Lehrstellen in Sachsen boten sich 2003 in Industrie und Handel, 26 Prozent im Handwerk. Der Anteil der Lehrstellen in der Landwirtschaft lag bei vier Prozent. Im öffentlicher Dienst wurden 2003 in Sachsen knapp 16 Prozent weniger Ausbildungsverträge abgeschlossen als noch ein Jahr davor. Bei den freien Berufen ergab sich ein Zuwachs von knapp drei Prozent.