Sie reden mit Demonstranten und Blockierern. Ihr Ziel: Der Protest gegen das Nato-Treffen soll nicht in Gewalt umschlagen, alles soll friedlich bleiben. Seit einigen Jahren werden Experten dieser Art zum Beispiel auch bei Castor-Transporten oder anderen Protestkundgebungen eingesetzt.Aufklärung über Arbeit"Wenn Polizei und Demons tranten sich begegnen, entstehen schnell Missverständnisse", sagt Claudia Rohde. Die 39-jährige Polizeibeamtin ist beim Nato-Gipfel als Anti-Konflikt-Managerin im Einsatz. Bei Demons trationen und Blockaden sucht sie den Kontakt mit Gipfelgegnern und Schaulustigen und versucht, die Arbeit der Ordnungshüter zu erklären. "Wir setzen auf Transparenz. Und wir hoffen, dass wir damit Gewalt verhindern", sagt Rohde.Beim Nato-Gipfel werden 85 Anti-Konflikt-Beamte im Einsatz sein. Sie kommen aus dem ganzen Bundesgebiet. Auch Psychologen sind dabei. "Wir organisieren einen der größten Anti-Konflikt-Einsätze in Deutschland. Mit einem Konzept, das umfassend ist und in die Tiefe geht", sagt die Polizei-Oberrätin, die wie ihre Kollegen für die Arbeit als Konfliktberater speziell ausgebildet ist."Bei Demonstrationen herrscht zwischen Polizei und Teilnehmern eine große Sprachlosigkeit", sagt Rohde. "Unser Gegenüber weiß nicht, aus welchem Grund es zu polizeilichen Maßnahmen kommt, warum es Auflagen, Absperrungen und Einschränkungen gibt." Dadurch könnten selbst friedlich gesinnte Demonstranten unsicher und frustriert werden. Dies könne in Gewalt umschlagen. "Die meisten Konflikte und Unklarheiten können im Gespräch beseitigt werden", sagt Rohdes Kollege Andreas Vortisch (47). "Offene Worte helfen oft mehr als ein Platzverweis." Um Vertrauen zu finden, suchen die Anti-Konflikt-Manager bereits bei der Planung des Protestes Kontakt zu den Veranstaltern oder stellen sich als persönliche Ansprechpartner und Kooperationspartner zur Verfügung.Kritik der FriedensgesellschaftMonty Schädel steht dem Vorhaben kritisch gegenüber. "Die Anti-Konflikt-Teams sind ein PR-Gag der Polizei, sie sind nicht mehr als ein Deckmantel", sagt der Geschäftsführer der Deutschen Friedensgesellschaft, der die Proteste gegen den Nato-Gipfel organisiert. Die Anti-Konflikt-Teams drängten die Demons tranten in die Rolle der Störenfriede. Sie schützen die Polizei, auch wenn diese Grenzen überschreite und gegen Gesetze verstoße. "Es geht darum, gewalttätiges Vorgehen der Polizei zu rechtfertigen", sagt Schädel.Im Gegensatz zu den anderen Polizisten tragen die Anti-Konflikt-Beamten keinen Helm und keinen Schutzanzug. Sie sind in der normalen Polizeiuniform oder in Zivil unterwegs. "Das erleichtert die Kontaktaufnahme", sagt Vortisch.Doch die Arbeit der Anti-Konflikt-Teams hat Grenzen. "Den harten Kern, den schwarzen Block, erreichen wir nicht. Wenn jemand mit dem erklärten Willen zu einer Demo reist, Gewalt auszuüben, dann hat er für unsere Argumente kein Ohr", sagt Rohde. Kommt es zu Gewalt, ziehen sich die Konfliktberater zurück, um nicht zwischen die Fronten zu geraten.