"Davon kann abhängen, wie es bei uns weitergeht", sagen märkische CDU-Politiker. Denn gelingt dem 69-Jährigen der Einzug ins Präsidium, dürfte das seine Autorität im eigenen Landesverband stärken, die im Machtkampf um die künftige Führung arg gelitten hat. Das würde auch die Übergabe der Macht an Schönbohms Kronprinzen Junghanns im Januar erleichtern, heißt es. Schönbohm hat den profilschwachen, aber integren Minister frühzeitig als seinen Nachfolger auserkoren - auch weil kein besserer da war. Es sollte einen geordneten Übergang geben, doch machte ihm der vom Ehrgeiz getriebene Petke, dessen Rücktritt vom Posten des Generalsekretärs Schönbohm wegen der E-Mail-Affäre erzwang, einen Strich durch die Rechnung. Die Folge: Eine Spaltung der Parteispitze und schwere innerparteiliche Scharmützel, di e der märkischen CDU nach jüngsten Umfragen geschadet haben: Sie sackte in der Wählergunst um zwei Punkte auf 21 Prozent ab, während die SPD um einen Punkt auf 40 Prozent kletterte. Gehe es so weiter, sei die absolute Mehrheit der SPD nicht mehr fern, warnen Christdemokraten.
Umgekehrt hoffen Petke-Unterstützer, aus einer Niederlage Schönbohms politisches Kapital schlagen zu können. "Das würde ihn weiter schwächen und die Erneuerer stärken", sagt einer, der nicht genannt werden will. Schönbohm will trotz des Risikos an seiner Kandidatur festhalten: "Lieber mit wehenden Fahnen untergehen, als die Fahnen einrollen", sagt der Ex-General. Er kalkuliert ein, dass vor dem Hintergrund des unentschiedenen Machtkampfes in Brandenburg einige seine Wahl ins Präsidium gezielt vereiteln wollen.
Er höre so einiges, sagt Schönbohm vielsagend, zum Beispiel dass Petkes Frau Katherina Reiche, Vize-Chefin der CDU-Bundestagsfraktion, eifrig dafür werbe, den Berliner CDU-Chef Friedbert Pflüger zu wählen. Auch wird von Versuchen berichtet, den so- genannten "Andenpakt" - eine einflussreiche und vorwiegend westdeutsche Seilschaft in der Union - gegen Schönbohm zu mobilisieren. Ihr gehören neben dem Hessen Roland Koch weitere CDU-Ministerpräsidenten an - und Pflüger. Schönbohms Kommentar: "Die Delegierten sind bei der geheimen Wahl Herr des Verfahrens und nicht irgendwelche geheimen Absprachen."
Was Schönbohm, der in jedem Fall noch zwei Jahre in Brandenburg als Innenminister weiter machen will, helfen dürfte: Er hat sich als wertkonservative Leitfigur der CDU profiliert. Es gibt eigentlich keinen Ersatz für ihn, ein weichgespülter Friedbert Pflüger ist es jedenfalls für viele Konservative in der Union nicht. Schönbohm ist deshalb von prominenten Christdemokraten wie Angela Merkel oder Helmut Kohl zur Kandidatur ermuntert worden. Er hat mit Ministerpräsidenten, Innenministern und Landeschefs der Union gesprochen. Und Bundesinnenminister Schäuble hat, als er von Schönbohms Kandidatur erfuhr, diesem spontan das Du angeboten: "Ich heiße Wolfgang."
So würde Schönbohm, kämpferisch wie eh und je, sogar Wetten darauf abschließen, dass er ins Präsidium kommt. "Leider hat sich bislang niemand gefunden, der dagegen hält."