Das geht aus dem Entwurf des neuen gemeinsamen Rahmenlehrplans der Länder Berlin und Brandenburg hervor, den Brandenburgs Bildungsminister Günter Baaske (SPD) und Berlins Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) am Freitag zeitgleich in Berlin und Potsdam vorstellten.

Der Plan fasst erstmals den gesamten Unterricht der Klassenstufen eins bis zehn an allen Schultypen in einem Regelwerk zusammen. Festgelegt werden auch fächerübergreifende Themen, etwa Demokratieerziehung oder Gewaltprävention, die die Kinder überall dort lernen sollen, wo es sich fachlich anbietet.

In Kraft treten sollen die Neuregelungen ab dem Schuljahr 2016/2017, zuvor soll es eine breite fachpolitische Diskussion darüber geben. Bis zum 27. März soll es zahlreiche Informationsveranstaltungen für Schulleiter und Diskussionen in den Schulen geben. Im Internet, auf dem Bildungsserver Berlin-Brandenburg, können Lehrkräfte, Eltern und Schüler in Form einer "Online-Anhörung" dann Rückmeldungen zum neuen Rahmenlehrplan geben.

"Derzeit werden die Berliner und Brandenburger Schülerinnen und Schüler in den Jahrgangsstufen eins bis zehn nach 68 Rahmenlehrplänen unterrichtet - künftig wird es nur noch einen Rahmenlehrplan für alle Fächer geben", sagte Baaske in Potsdam. Die Lehrkräfte bekämen erstmals einen Plan, der die Anforderungen an die Schülerinnen und Schüler von der Grundschule bis zur Jahrgangsstufe zehn durchgehend abbilde. "So entsteht am Ende der Jahrgangsstufe sechs beim Übergang in die weiterführende allgemeinbildende Schule nicht nur mehr Transparenz, sondern wir berücksichtigen mit dem schulstufenübergreifenden Rahmenlehrplan das unterschiedliche Lerntempo und die individuelle Förderung aller Lernenden."

Scheeres sprach von einem "richtigen Schritt auf dem Weg zum inklusiven Lernen" und würdigte den Lehrplan als Beispiel für erfolgreiche Kooperation zwischen den Bundesländern.

Unter Brandenburgs Lehrern ist die Neuregelung allerdings umstritten. Nachdem vor Kurzem schon der Geschichtslehrerverband das neue Schulfach "Gesellschaftswissenschaften" kritisierte, legte am Freitag der Vorsitzende des Verbandes der Brandenburger Oberschullehrer, Werner Lindner, nach. "Wir sehen die Zusammenlegung von Einzelfächern durchaus strittig", sagte er der LAUSITZER RUNDSCHAU.

"Wenn man mal das Fach Naturwissenschaft nimmt, dann stellt sich schon die Frage, ob der Kollege, der Mathe und Physik studiert hat, nun auch Biologie unterrichten kann." An dieser Stelle gebe es ein "Risikopozential", so Lindner: "Man muss prüfen, ob die Kompetenzen der Lehrer, die sich im System befinden, dafür geeignet sind." Auch der Brandenburger GEW-Landesvorsitzende Günther Fuchs erklärte, die Fachlichkeit dürfe unter dem neuen Plan nicht leiden. "Es kann nicht sein, dass einer alles unterrichten kann", sagte er der RUNDSCHAU. Zudem sei das Anhörungsverfahren bis Ende März eher knapp.

"Mit der Harmonisierung der Bildungsgänge, wie sie im Lehrplan vorgenommen wird, erleben wir eine grundlegende Veränderung von Schule", so Fuchs. "Da muss die Lehrerbildung reformiert werden, und wir brauchen neue Fortbildungsangebote."

Die Pläne können unter www.bildungsserver .

berlin-brandenburg.de/

anhoerungsportal.html eingesehen und

diskutiert werden.