Drei Jahre nach dem Tod eines Geschäftsmannes aus Hannover (Niedersachsen) muss sich das Dresdner Landgericht noch einmal mit dem bizarren Fall beschäftigen. Nach der erfolgreichen Revision des Angeklagten hinsichtlich des Mordvorwurfs soll nun eine andere Strafkammer klären, ob der vom Dienst suspendierte Beamte des Landeskriminalamtes den 59-Jährigen im November 2013 im Gimmlitztal (Osterzgebirge) getötet oder nur dessen Leiche zerstückelt hat. Zum Auftakt des zweiten Prozesses am heutigen Dienstag sind der psychiatrische Gutachter und mehrere Ermittler geladen. Die Kammer hat 18 Verhandlungstage bis Mitte Januar terminiert.

Detlev G. ist wegen Mordes angeklagt. Der inzwischen 58-Jährige bestreitet den Vorwurf. Nach seinen Angaben hat sich der gebürtige Pole selbst erhängt. Die Männer mit abnormen Fantasien hatten sich auf einer „Kannibalen“-Seite im Internet kennengelernt. Der eine träumte davon, getötet und verspeist zu werden, der andere wollte mal eine Leiche zerstückeln. Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt, dass Detlev G. den Mann erhängt hat. Laut Obduktion wurde er erdrosselt.

Im April 2015 war G. vom Landgericht wegen Mordes und Störung der Totenruhe zu einer Freiheitsstrafe von acht Jahren und sechs Monaten verurteilt worden. Die Richter sahen in dem unbedingten Todeswunsch seines Gastes einen außergewöhnlichen Umstand und nahmen vom üblichen Lebenslang Abstand. Der Bundesgerichtshof hatte die Entscheidung bezüglich des Mordes ein Jahr später aufgehoben und kritisiert, dass eine mögliche Selbsttötung nur unzureichend geprüft wurde.