. Nach den Stärkeverhältnissen wird die SPD wohl sieben Ressorts bekommen, die Union neun. Davon dürfte die CSU drei beanspruchen, so dass der CDU nur sechs blieben. In der schwarz-gelben Koalition waren es noch acht Ressorts. Zwar tritt Familienministerin Kristina Schröder nicht mehr an, aber mindestens ein weiterer CDU-Politiker wird zusätzlich verzichten müssen. Es wird also trotz des Wahlsieges schmerzlich für Angela Merkels Partei.

Die große Unbekannte ist, ob die SPD das Finanzministerium haben will und bekommt. Es gilt gemeinhin als zweitwichtigstes Ressort. Viele in der SPD bestehen darauf. Andererseits läge die Verantwortung für die Milliarden, die vielleicht doch nach Griechenland oder in andere Schuldenstaaten fließen müssen, deutlicher bei der Union, wenn CDU-Mann Wolfgang Schäuble im Amt bliebe.

Außerdem, ganz schlicht, haben die Sozialdemokraten keinen, der politisch groß genug wäre, um den Job auszufüllen. Peer Steinbrück will nicht erneut unter Merkel dienen und Frank-Walter Steinmeier möchte Fraktionschef bleiben. Jörg Asmussen, lange Finanzstaatssekretär und jetzt EZB-Direktoriumsmitglied, hat zwar ein SPD-Parteibuch, wäre allerdings politisch wohl zu leichtgewichtig.

Wer was wird, hängt auch vom Zugriffsverfahren ab, das man verabredet. Außerdem geht es nach Töpfen, also nach Ressorts, die inhaltlich verwandt sind. 2005, als beide Parteien fast gleich stark waren, ging das so: Die ersten zwei Posten bekam die Union. Es waren die Bundeskanzlerin und der Kanzleramtsminister. Dann durfte die SPD zwei Ministerien wählen (sie nahm Außen und Finanzen) dann Union und SPD im Wechsel, bis alles aufgeteilt war. Das wird wegen des schlechteren Wahlergebnisses für die SPD diesmal nicht wieder so laufen.

Wenn sie Finanzen nicht bekommt, wird die SPD als Schlüsselressort wohl Arbeit und Soziales nehmen, für Parteichef Sigmar Gabriel, der zugleich Vizekanzler wird. Eines der außenpolitischen Ressorts muss sie auch haben - Verteidigung ist sinnvoller als das kleine Entwicklungshilferessort und auch als das Auswärtige Amt, dessen Aufgaben in den vergangenen Jahren immer mehr vom Kanzleramt übernommen worden sind.

Thomas Oppermann, Parlamentarischer Geschäftsführer, wäre als Verteidigungsminister eine Möglichkeit, könnte zur Not aber auch Außenminister. Praktisch gesetzt ist Manuela Schwesig für die Familienpolitik.

Aus dem Topf Wirtschaft und Umwelt würde die SPD wahrscheinlich Umwelt wählen. Vielleicht für den Ex-Umweltstaatssekretär und thüringischen Wirtschaftsminister Matthias Machnig. Er gehörte schon Peer Steinbrücks Schattenkabinett an, hatte allerdings zuletzt eine Affäre um Übergangsgelder am Hals. Andrea Nahles für Landwirtschaft und Verbraucherschutz könnte die Riege ergänzen.

Dann bräuchten die Sozialdemokraten auch ein innenpolitisches Ressort. Brigitte Zypries, unter Schröder und in der letzten Großen Koalition schon mal Hausherrin, wäre für das Justizministerium eine gute Wahl. Ebenso die Rheinland-Pfälzerin Doris Ahnen für Bildung.

Die CSU will außer Hans-Peter Friedrichs Innenministerium wahrscheinlich wieder das Verkehrsministerium mit seinen Milliarden an Mitteln leiten. Peter Ramsauer bliebe also. Entwicklungshilfe war schon immer ein traditionelles CSU-Ressort, das sie jetzt endlich wieder besetzen könnte. Mit Generalsekretär Alexander Dobrindt, den Horst Seehofer mit einem Ministerposten für die gelungenen Wahlkämpfe in Bayern belohnen will.

Bei der CDU bliebe Wolfgang Schäuble Finanzminister. Thomas de Maizière könnte vom Verteidigungsministerium in das Auswärtige Amt ausweichen, da kennt er sich aus. Ursula von der Leyen, gelernte Ärztin, müsste wohl Gesundheit machen, was ihrer Karriereplanung im Moment nicht ganz entspricht. Peter Altmaier, Merkel-Vertrauter, würde für den Verlust des Umweltministeriums mit dem Wirtschaftsressort entschädigt.

Bleibt die Frage, wen sich die Kanzlerin als Minister ins eigene Amt holt. Möglicherweise wird Ronald Pofalla nach Europa wegbefördert, sodass der Weg für den fleißigen Generalsekretär Herrmann Gröhe frei wäre. Allerdings wäre hier auch Altmaier denkbar. Auf der Strecke bliebe bei diesem Modell die bisherige Bildungsministerin Johanna Wanka, die allerdings noch neu im Amt und in Berlin kaum vernetzt ist.