Der Copilot, der den Absturz der Germanwings-Maschine nach Erkenntnissen der Ermittler absichtlich herbeigeführt hat, kam als Absolvent von der Verkehrsflieger-Schule der Lufthansa in Bremen zum Kölner Unternehmen.

Die Bremer Schule gibt es seit 1956. Sie gehört nach eigenen Angaben zum Unternehmen Lufthansa Flight Training mit insgesamt acht Standorten. Zahlreiche Flugschüler und Ausbilder verließen das dreistöckige Gebäude in Sichtweite des Bremer Airports am Donnerstagnachmittag in erkennbar gedrückter Stimmung. An den Fahnenmasten vor dem Haus wehten drei Flaggen auf halbmast, eine von Germanwings und zwei von Lufthansa.

Das zwischen einem Hotel und dem Airbus-Werk gelegene Schulungsgebäude ist nach Jürgen Schumann benannt, dem ermordeten Kapitän der 1977 in den Jemen entführten Lufthansa-Maschine "Landshut".

Die Ausbildung zum Flugkapitän dauert 29 bis 33 Monate. Nach den ersten sechs Monaten Theorie geht es für vier Monate nach Phoenix im US-Bundesstaat Arizona zum ersten Fliegen mit einmotorigen Maschinen. Nach der Rückkehr nach Bremen wird am Flugsimulator geübt, später fliegen die Flugschüler mit einer Cessna Citation. Der Abschluss mit einer Musterschulung auf einen bestimmten Flugzeugtyp ist in Frankfurt. Flugkapitäne werden in Bremen nicht nur für die Lufthansa, sondern für verschiedene Airlines ausgebildet.

Die psychologischen Tests für Piloten der Lufthansa sind nach Ansicht der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) völlig ausreichend. Bei der Einstellung gebe es anerkanntermaßen einen der härtesten Aufnahmetests der Welt, sagte VC-Sprecher Jörg Handwerg. Handwerg bestätigte Informationen der Lufthansa, dass es im späteren Berufsleben keine regelmäßigen psychologischen Tests für die Flugzeugführer gibt. Es sei fraglich, in welchem Rahmen psychologische Gespräche helfen sollten.

Einen Schutz vor Ausnahmefällen wie bei der Germanwings-Tragödie könne es nicht geben. "Man kann ja nicht jeden Piloten vor jedem Umlauf zu einem psychologischen Gespräch oder Test schicken. Es ist in der Verantwortung des Piloten selbst, dass er sich medizinische Hilfe holt", sagte der Airbus-Kapitän. Zudem achteten die Kollegen aufeinander. Wenn sich jemand ungewöhnlich benehme, werde er angesprochen und aufgefordert, sich Hilfe zu besorgen.