Der Streik hatte im Personenverkehr am Donnerstag begonnen und soll bis Montagfrüh dauern. Von dem Ausstand waren die drei Bahn-Wettbewerber in der Region nicht betroffen. Die Ostdeutsche Eisenbahn (Odeg) fuhr auf ihren Linien nach Plan, wie der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) berichtete.

Zu dem Angebot im Regional- und S-Bahn-Verkehr nach den Ersatzfahrplänen sagte der Bahnsprecher: "Wir sind ganz zufrieden. Wir haben den Eindruck, dass diesmal weniger Lokführer streiken als beim letzten Mal." Die GDL äußerte sich zunächst nicht zur Streikbeteiligung.

Die Stimmung unter den Fahrgästen auf Bahnhöfen und in den Zügen war eher gelöst. In Berlin sei Lokführern einfahrender S-Bahnen sogar Beifall geklatscht worden, weil sie sich nicht am Streik beteiligten, berichtete die Bahn. Viele andere Fahrgäste waren vorsichtshalber auf Bus oder Taxi umgestiegen.

Der Energieversorger Vattenfall teilte hingegen am Donnerstag mit, dass der Lokführerstreik das Heizkraftwerk Cottbus lahmlegen werde. "Aufgrund des Streiks ist die Versorgung des Heizkraftwerks mit Wirbelschichtkohle aus Schwarze Pumpe vorübergehend unterbrochen. Ab Freitag übernimmt deshalb das Braunkohle-Kraftwerk Jänschwalde die Fernwärmeversorgung der Stadt Cottbus", sagte Vattenfall-Sprecher Thoralf Schirmer. Der Streik im Güterverkehr beträfe auch weitere Industriekunden der Veredelung, die vorübergehend nicht mit Wirbelschichtkohle, Braunkohlestaub und Industriebriketts beliefert werden könnten.

Der vor Gericht angestrebte Vergleich zwischen Lokführern und Deutscher Bahn kam indes nicht zu Stande. Vor dem Frankfurter Arbeitsgericht konnten sich die Parteien nach mehr als fünf Stunden Verhandlung Donnerstagnacht nicht auf einen gemeinsamen Wortlaut einigen. Die GDL wollte festgeschrieben haben, dass bei der Bahn mehrere unterschiedliche Tarifverträge möglich sein könnten. Der Bahn-Anwalt hielt der GDL vor, Ergebnisse späterer Verhandlungen vorwegnehmen zu wollen und lehnte das Ansinnen ab.

Eigentlich wollte die Bahn mit einer Einstweiligen Verfügung den Lokführerstreik stoppen. Dieses Ansinnen lehnte das Gericht in der Nacht aber ab. Die Bahn hatte argumentiert, dass der jetzige, mehrtägige Streik unverhältnismäßig sei.