Der Mann wurde im Mai 2002 in Wittstock erschlagen.
Wie hoch das Strafmaß für die fünf Angeklagten ausfällt, ist nicht nur für Scheidemann interessant. Der Vorfall brachte nicht nur Wittstock ein fremdenfeindliches Image, sondern rückte erneut ganz Brandenburg in ein solches Licht. Selten lagen allerdings die Forderungen von Ankläger und Verteidigung so weit auseinander.
Was war geschehen? Nach einer Techno-Disko am 3. Mai 2002 in einer Gaststätte im Ortsteil Alt Daber gerieten zwei Aussiedler und eine Gruppe Einheimischer aneinander.

Feldstein auf Opfer geworfen
Plötzlich rasten fünf junge Männer - die jetzt 20- bis 23-jährigen Angeklagten - aus. Sie schlagen und treten die Opfer, zum Schluss wirft ein Angreifer sogar einen 17,7 Kilogramm schweren Feldstein auf die wehrlos auf dem Pflaster vor der Disko Liegenden. Der 24-jährige Kajrat Batesow, den der Stein voll trifft, stirbt 20 Tage später an inneren Verletzungen; sein Freund überlebt schwer verletzt.
Doch das Dilemma der Ankläger und der Jugendstrafkammer wird im Prozess schnell klar. "Obwohl die Disko aus und eine Menge Gäste vor der Gaststätte waren, will niemand etwas gesehen haben", klagt Staatsanwalt Kay Clement. Mehrfach spricht er von einer "Mauer des Schweigens". Trotzdem glaubt der Ankläger Haftstrafen von acht, neun und zwölf Jahren wegen Totschlags für die drei mutmaßlichen Haupttäter fordern zu können. Die Verteidigung sieht dafür kaum Beweise, verlangt als höchste Strafe zweieinhalb Jahre Haft für den Lehrling. "Das Schweigen tut der Stadt nicht gut", sagt Bürgermeister Scheidemann. Er verlangt harte Strafen für die Haupttäter. "Wer die Gesundheit anderer aufs Spiel setzt, sollte dafür gerade stehen."

"Wir sind kein rechtes Nest"
Nach dem Vorfall hatte es mehrfach Auseinandersetzungen zwischen Aussiedlern und Einheimischen gegeben. "Damals suchten die jungen Aussiedler auf eigene Faust nach Tätern", erklärt Scheidemann. Heute habe sich das beruhigt, auch wenn das Sprachproblem als Hauptursache geblieben sei. "Die Leute müssen länger Deutsch lernen", verlangt er. Viele sind weggezogen, so auch die Mutter des Toten. Sie tritt als Nebenklägerin auf. Ihre Anwältin sieht sogar "einen Mord".
Das damalige Erstaufnahmeheim für Aussiedler in Alt Daber wird aufgelöst, die Leute sollen gleich in Wohnungen untergebracht werden, um sie vielleicht besser zu integrieren. "Das fällt aber schwer bei einer der höchsten Arbeitslosenquoten im Land mit 24,4 Prozent im Altkreis", schätzt Scheidemann ein.
Auf keinen Fall sei Wittstock aber ein "rechtes Nest", wie viele behaupteten. "Wegen einseitiger Berichte mussten wir zeitweise sogar das Besucherbuch schließen, so wurden wir angefeindet."