Drei Wochen lang machen sich dann sieben Teams mit je zwei Experten auf den Weg, um knapp 6800 Bäume im Landeswald genau unter die Lupe zu nehmen. "Da ist gutes Augenmaß und Wissen gefragt", sagt Andreae. Auch Fotos von einer "Superkrone" haben die Teams dabei - um zu vergleichen, wie es um die Bäume vor Ort tatsächlich bestellt ist.

Seit 24 Jahren werden für den jährlichen Waldzustandsbericht immer die gleichen 24 markierten Bäume an jeweils 283 Orten im Sachsenforst begutachtet. In den Vorjahren hatte das Forstministerium den hiesigen Wäldern eine überwiegend gute Verfassung attestiert - so auch in diesem Jahr. "Unsere Bäume sind insgesamt gesehen gesund", sagte Forstminister Thomas Schmidt (CDU) am Freitag bei der Vorstellung des Waldzustandsberichtes 2014. Demnach sind 39 Prozent der Waldbäume gesund (2013: 37 Prozent), 46 Prozent sind schwach geschädigt und 15 Prozent - zwei Prozent weniger als 2013 - haben deutliche Schäden. Dabei gehe es den Nadelbäumen besser als den Laubbäumen, so Schmidt.

Laut Bericht gibt es dabei regionale Unterschiede. Im Zittauer Gebirge, dem westlichen Tiefland und im Elbsandsteingebirge sind die Kronen demnach lichter, die Bäume verlieren eher Blätter und Nadeln. Die Baumkronen im östlichen Tiefland, im Vogtland und im Erzgebirge wachsen dagegen dichter und grüner als in den übrigen Regionen. "Davon konnte man in den 1990er-Jahren nur träumen", erklärte Schmidt mit Blick auf das Erzgebirge, wo es bei den Fichtenbeständen in den Kammlagen ein regelrechtes Waldsterben gab.

Vor allem die mit der Industrieproduktion steigenden Schwefeldioxid-Emissionen aus dem böhmischen Becken setzten den Nadelbäumen zu. Allein im Winter 1995/1996 habe es auf rund 3000 Hektar schwerste Schäden gegeben, erläutert Sachsenforst-Geschäftsführer Hubert Braun. Unter anderem durch Bodenkalkungen hätten sich die Bestände wieder erholt. Heute sei die Fichte sogar die vitalste Baumart im Freistaat - und der Brotbaum der Forstwirtschaft, so Braun. Sie macht etwa 45 Prozent der Holzbestände aus. "Wir haben mittlerweile einen enormen Holzvorrat", erklärt Braun. Mit rund 312 Kubikmetern pro Hektar Wald liege dieser auf einem "historischen Höchststand". Jedes Jahr wachsen etwa elf Kubikmeter nach, von denen weniger als die Hälfte geschlagen werden.

Weil der Winter ungewöhnlich mild ausfiel, konnte vor allem in den tieferen Lagen das Winterhalbjahr zum Aufforsten genutzt werden. Zudem habe es kaum umgeknickte Bäume und Schadholz durch Schnee und Stürme gegeben.

S chädlinge wie der Borkenkäfer schwärmten im trockenen Frühjahr zwar in Massen aus, dennoch fiel der Befall geringer aus als erwartet: Rund 25 000 Kubikmeter Schadholz fielen durch Käferfraß an. Im "Rekordjahr" 2008 waren rund 120 000 Kubikmeter Holz betroffen. Den gefräßigen Raupen der Nonne fielen dagegen in diesem Jahr mehr als 1000 Hektar an Kiefernbäumen zum Opfer, vor allem in der Muskauer Heide sowie in der Gegend um Hoyerswerda. Sachsenforst-Chef Braun spricht von 2014 als einem "Friedensjahr" für den sächsischen Wald: kein Schnee, keine Orkane, kein großer Befall von Schädlingen. So könnte es im nächsten Jahr weitergehen .