Hunderttausende Georgier jubeln in Tiflis, als ihnen der reichste Mann des Landes eine "echte Demokratie ohne Gewalt und Angst" verspricht. Der 56-jährige Milliardär Bidsina Iwanischwili feiert angesichts der bisher für ihn beispiellosen Menschenmenge schon vor der richtungsweisenden Parlamentswahl am heutigen Montag den größten Triumph seiner noch jungen politischen Karriere. Der Oligarch will das Machtmonopol von Präsident Michail Saakaschwili, dem einstigen Helden der Rosenrevolution 2003, mit einer friedlichen und ehrlichen Abstimmung brechen.

Erneut hat erneut eine große Wechselstimmung das Land ergriffen. Der jungenhafte Iwanischwili spricht mit geballter Faust auf der blauen Bühne - geschützt von Panzerglas - am Platz der Freiheit in Tiflis. Bis in die Rustaweli-Straße erstreckt sich die Menschenmenge an diesem spätsommerlichen Herbsttag. "Mischa, hau ab so lange Zeit ist!" steht auf einem Plakat, darauf eine Karikatur des Präsidenten Saakaschwili, der aus Angst an seiner Krawatte kaut und vor fliegenden Ufos flieht.

Es ist ein Bild dafür, dass viele Georgier den 44-Jährigen nur noch für einen Verrückten halten. Auf der Straße konzentriert sich auch der Protest gegen die Folter und Vergewaltigungen von Gefangenen, die vor wenigen Tagen öffentlich wurden und seither das 4,6 Millionen-Menschen-Land erschüttert. Die Farbe der neuen Hoffnungsträger auf der Rustaweli-Straße ist ein leuchtendes Blau. Jung und Alt, Familien und orthodoxe Geistliche tragen die Fahnen, T-Shirts und Mützen von Iwanischwilis Georgischem Traum mit dem markanten Sonne-Sternen-Symbol.

Für Saakaschwili geht es diesmal ums Ganze. Seine laut Verfassung letzte Amtszeit als Präsident läuft 2013 aus. Gemäß einer Änderung des Grundgesetzes gehen dann viele Machtbefugnisse auf den Premierminister über. Es geht jetzt also um den wichtigsten Posten im Land. Georgien stellt sich auf einen Kampf der Titanen ein - zwischen dem mächtigen Saakaschwili und dem superreichen Iwanischwili.