Alles soll diskutiert werden. Passend dazu steht der Parteikonvent in Chemnitz am Wochenende unterm Motto "Fragen schreiten wir voran". Dennoch verkündete Landeschef Rico Gebhardt am gestrigen Montag via Facebook schon mal: "Glitzern wird es in der Stadt der Moderne."

Streitthemen und Forderungen

Ob der eintrittsfreie Tanz am Sonnabend genug Glitzereffekt einbringt, ist allerdings fraglich. Denn auf der Tagesordnung des 7. Landesparteitag der Linken stehen etliche Streitthemen. Die Leitlinien zur Sozial- und zur Bildungspolitik wollen beschlossen werden. Das dürfte lange dauern, denn passend zu den Verhandlungen zum Landeshaushalt für 2013 und 2014 enthalten die Leitlinien rund 80 Forderungen finanzieller Art an die schwarz-gelbe Landesregierung - unter anderem 400 Millionen Euro jährlich für den Wissenschaftsstandort Sachsen. Da diese Forderungen aber zumindest im Ansatz gedeckt sein sollten, steht ein zähes Aussortierverfahren bevor. Gebhardt hält das für nötig, denn: "Wir wollen mehr Realpolitik betreiben."

Standpauken an West-Genossen

Die Linie Gebhardts, des 49-jährigen gebürtigen Erzgebirglers, ergibt Sinn. Denn sowohl seine Partei als auch Grüne und SPD schielen derzeit auf jedes Prozentchen, das sich ihr Dreierbündnis in Richtung Mehrheit bewegt. Und als stärkste Fraktion nach einem Regierungswechsel 2014 müsste die Linke beweisen, dass sie auch jenseits ur-sozialistischer Blütenträume etwas mitzuteilen hat. Das aber braucht dem sächsischen Landesverband niemand sagen. Von hier kamen die lautesten Standpauken an die West-Genossen, die bei den vergangenen Landtagswahlen reihenweise umknickten. Die Sachsen sind mit 10 400 Mitgliedern der mit Abstand stärkste Landesverband - dennoch schlägt der demografische Faktor gnadenlos zu. Gebhardt sagt, in seiner Partei sei es wie beim MDR: Mit einem Altersdurchschnitt von 62 Jahren beim Publikum ist es schwer, für alle das passende Programm zu machen.

Der passende Moderator indes scheint Rico Gebhardt zu sein. Seitdem er Partei- und Landtagsfraktionsvorsitz unter seinem Hut vereint, sei zumindest dieses eine Kommunikationsproblem aus der Welt. Darüber hinaus aber gibt es viel zu klären bei den Genossen am Sonnabend und Sonntag. Vor allem das Wahlverfahren der Kandidaten für die Bundestagswahl 2013, das in Chemnitz eingeleitet wird. Der Landesvorstand hat bereits Ex-Fraktionschef André Hahn und die Dresdner Bundesvorsitzende Katja Kipping vorgeschlagen. Die Entscheidung steht erst am 10. November an.

Grundeinkommen wieder Thema

Einstweilen wird in Chemnitz diskutiert. Auch der Debattenklassiker zum bedingungslosen Grundeinkommen steht wieder einmal auf dem Programm des Parteitags der sächsischen Linken.