| 02:38 Uhr

Genervt vom Glockenschlag

Streit ums Geläut: Ein Senftenberger fühlt sich vom Glockenschlag der Kirche St. Peter und Paul belästigt.
Streit ums Geläut: Ein Senftenberger fühlt sich vom Glockenschlag der Kirche St. Peter und Paul belästigt. FOTO: Rasche
Senftenberg. Was die Stunde geschlagen hat, verraten den Senftenbergern seit Jahrzehnten die Uhr und die Glocken der katholischen Kirche St. Peter und Paul in ihrer Stadt. Aber jetzt soll der Stundenschlag verstummen, weil ein Anwohner genervt ist. Liegt es am Stress? si/kw

Immer öfter klagen Brandenburger und Sachsen über nervende Alltagsgeräusche in Städten und Dörfern, die viele Jahrhunderte lang zum ganz normalen Alltag in den Gemeinden gehörten. Seit Jahren streiten sich zwei Nachbarn im Dörfchen Zitz (Potsdam-Mittelmark) in Brandenburg darum, wie laut das Krähen der Hähne des einen sein darf. Mittlerweile kommunizieren die Streithähne nur noch über ihre Anwälte, der Nachbar des Hobby-Geflügelzüchters klagte nun gar, weil er gesundheitliche Schäden wegen des Geschreis fürchtet. EinRichter des Amtsgerichts Brandenburg/Havel schickt beide Parteien jetzt an den Verhandlungstisch. Ein Gütetermin soll angesetzt werden. Scheitert er, geht der Fall zurück an das Gericht - Ausgang offen.

In Senftenberg (Oberspreewald-Lausitz) nun ist es nicht das fröhliche Kikeriki eines Hahns, sondern der halbstündliche Schlag der Turmuhr in der katholischen Kirche Peter und Paul, der einen Nachbarn des Gotteshauses auf die Palme bringt. Der Mann hat seinen Frust im Beschwerdeportal der Stadt Senftenberg abgeladen. Nun muss das Ordnungsamt handeln. Der genervte Kirchenanwohner hat gute Karten. Nach geltender Rechtsprechung in Brandenburg und Sachsen kann die Gemeinde aufgefordert werden, den Uhrenschlag nachts abzustellen. Tolerieren müssen Bewohner nur das Glocken-Geläut bei Gottesdiensten.

Ob der Senftenberger Uhrenstreit auch zu einem juristischen Thema wird, ist nicht entschieden. Die Kirchengemeinde in Senftenberg will juristische Scharmützel vermeiden. Aber die Katholiken haben ein Problem. Die historische, mechanische Kirchenuhr in der Senftenberger Kirche lässt eine zeitweilige Unterbrechung des Glockenschlages nicht zu. Sie müssten dafür eine teure Computersteuerung anschaffen.

Jetzt wollen sie dem genervten Nachbarn erst einmal anbieten, statt in Computertechnik zu investieren, ihm beim Schallschutz in seiner Wohnung finanziell zu helfen.