Der US-Molekularbiologe, der am heutigen Freitag 65 Jahre alt wird, steuert gerade einem neuen Höhepunkt seiner Forscherkarriere entgegen. Nachdem es ihm und seinen Mitarbeitern gelungen war, ein Bakterium mit künstlichem Erbgut zu schaffen, soll dem Durchbruch im Labor die praktische Anwendung folgen.

Venter – vielfach geehrt, aber auch umstritten – will die Welt mit solchen Bakterien vor einer Klimakatastrophe retten. Auf seine Mikroben setzt er auch zur Erschließung neuer Energiequellen: Sie sollen nahezu unbegrenzt sauberen, billigen und ökologisch unbedenklichen Treibstoff liefern.

Das Team hatte das Erbgut eines natürlichen Bakteriums aus einzelnen Erbgutstückchen nachgebaut und dieses Kunstgenom in eine andere Bakterienart eingesetzt. Das Ergebnis war eine Zelle, die von einem fremden Genom kontrolliert wurde. „Ich glaube, dass wir über die Biotechnologie in Zukunft alles herstellen können, was wir brauchen“, sagt Venter. Nach der Veröffentlichung seiner Arbeit 2010 schloss der Forscher einen Vertrag mit einem Pharmaziekonzern. Als Erstes will er einen Grippeimpfstoff liefern.

Auch andere Konzerne arbeiten mit dem Forscher zusammen. BP finanziert die Arbeit mit Mikroben, die unter der Erde von Kohle leben und Gas produzieren. Exxon Mobil gab Venter 300 Millionen Dollar für Experimente mit genetisch veränderten Algen. Diese nehmen demnach das Treibhausgas Kohlendioxid auf und produzieren ein Öl, das zu Benzin verarbeitet werden kann.

Dass er scheinbar Unmögliches bewerkstelligen kann, hat Venter mehrfach bewiesen: 1999 forderte er ein internationales Forscherteam heraus, das schon lange an der Entschlüsselung des menschlichen Erbguts gearbeitet hatte. Nach nur 15 Monaten erreichte er etwa zeitgleich mit dem staatlich geförderten Human Genome Project das Ziel. Er veröffentlichte auch die erste genetische Blaupause eines einzelnen Menschen – sein eigenes Genom. Auf die Frage, ob ihn das Wissen nicht ängstige, sagt Venter: „Die Kenntnis von unseren genetischen Risiken bedeutet Macht – die Macht, ihnen entgegenzusteuern.“