Einer der Vorderreifen ist nicht in Ordnung, die Batterie zu locker, ein Scheinwerfer defekt. In einer gestenreichen Diskussion mit den Mechanikern versucht Autobesitzer Pulat, seinen Wagen doch noch durch die Prüfung zu retten - doch die Männer vom Tüv Turk bleiben hart. Im Januar 2008 eröffnete das Münchner Unternehmen Tüv Süd gemeinsam mit zwei türkischen Partnern in dem Land am Bosporus die erste von heute insgesamt 189 festen und 81 mobilen Tüv-Turk-Prüfstationen. Mehr als 2000 Mitarbeiter wurden angestellt und ausgebildet, rund 630 Millionen Euro investiert. Nach deutschen Standards werden seitdem überall in der Türkei Autos geprüft. Großes Ziel: "In fünf Jahren soll das Land in punkto Fahrzeugsicherheit auf dem Durchschnitt der EU-Länder liegen", betont Tüv-Süd-Vorstandschef Axel Stepken.Bevor der Tüv Süd kam, tickten die Uhren für türkische Autofahrer noch völlig anders. Die staatlich organisierte Kfz-Kontrolle bestand im Wesentlichen aus einem Blick in die Fahrzeugpapiere. Erst im Jahr 2004 beschloss die Regierung in Ankara, die periodische Fahrzeuguntersuchung zu privatisieren und sich bei der Verkehrssicherheit europäischen Standards anzunähern. Natürlich sei nicht jeder türkische Autofahrer über die deutlich strengeren Prüfverfahren glücklich, berichtet Stepken. "Vor allem nicht, wenn's sein eigener Wagen ist, der die Prüfung nicht packt." Doch nicht nur die türkischen Autobesitzer mussten sich umstellen. Auch die Organisatoren vom Tüv hatten alle Hände voll damit zu tun, sich erst einmal auf die doch etwas andere Mentalität der Kunden einzustellen. So wurde ziemlich schnell die Regelung getroffen, die Autobesitzer zur Prüfung ihres Wagens lieber nicht mehr in die Halle zu lassen. "Viele wissen einfach alles besser, fachsimpeln ausführlich und behindern dann einfach zu sehr den Ablauf", berichtet Tüv-Mitarbeiter Murat Dambali. Und auch kulturellen Besonderheiten mussten die deutschen Tüv-Aufbauhelfer gerecht werden. So wurden in einigen der 189 türkischen Tüv-Stationen kleine Gebetsräume eingerichtet. Gerade wenn die Autoschlangen vor den Prüfstationen lang sind, kann es durchaus vorkommen, dass die Wartezeit in eine der Gebetszeiten fällt, berichtet Dambali. Auch die Prüfstation Catalca, 40 Kilometer westlich von Istanbul, in der Abdullah Pulats Auto es an diesem Februarmorgen nicht durch die Prüfung geschafft hat, hat so eine Gebetskammer. Abdullah Pulat ist heute allerdings die Lust auf eine kleine Erfrischung vergangen. Fest hatte er damit gerechnet, dass sein geliebter Wagen es gleich im ersten Anlauf packen würde. Jetzt bleibt ihm nichts anderes übrig, als innerhalb eines Monats mit seinem reparierten Auto nochmals zur Kontrolle zu kommen.