Als „sehr gut“ bezeichnet Bauer Heiko Terno aus Luckau, was er mit seinen beiden Partnern im vergangenen Jahr von insgesamt 300 Hektar geerntet hat. „Das war aber auch nötig nach dem Einbruch ein Jahr zuvor“ , stellt er fest. Bei Roggen hat er 65 Dezitonnen je Hektar (dt/ha) gedroschen. Das war doppelt so viel wie in normalen Jahren. „Wirklich erfreulich“ sei der Rapsertrag von 40 dt/ha gegenüber den üblichen knapp 30 dt/ha.
In den Büchern von Heiko Terno und seinem Partner widerspiegelt sich die Bilanz, wie sie die Bauern in fast allen Regionen in Brandenburg und Sachsen ziehen können. In Brandenburg rechnet das Ministerium mit einem Getreideertrag von knapp 66 dt/ha. Das ist das zweitbeste Ergebnis in den zurückliegenden fünf Jahren. Im Dürrejahr 2003 brachten die Landwirte nur 32 dt Körner vom Hektar ein. Die 39 dt/ha bei Raps und die 322 dt/ha bei frühen Speisekartoffeln sind sogar das beste Resultat der vergangenen fünf Jahre.
Tilo Eysold vom Landwirtschaftsministerium in Dresden verweist ebenfalls auf eine gute Ernte. Aufgrund der besseren Bodenverhältnisse lagen die Spitzenerträge im Freistaat naturgemäß höher als in der „märkischen Streusandbüchse“ . Bei Getreide fuhren die sächsischen Bauern mit knapp 73 dt/ha, bei Kartoffeln mit 398 dt/ha und bei Raps mit 42 dt/ha Erträge ein wie seit 2001 nicht mehr.

Neue Form der Prämienzahlung
Die guten Ergebnisse in der Feldwirtschaft haben die schmalen Kassen der Bauern etwas aufgefüllt. Der Zukunft sehen sie allerdings mit unterschiedlichen Erwartungen entgegen. Heiko Terno und seine Partner aus Luckau gehen optimistisch die diesjährige Saison an. Ihrem Betrieb, so ist sich Terno sicher, kommt die EU-Agrarreform entgegen, die ab diesem Jahr schrittweise bis 2010 umgesetzt wird. Im Kern geht es darum, dass die Prämienzahlungen von der Produktion abgekoppelt und nach der landwirtschaftlichen Nutzfläche berechnet werden. „Dadurch wird es zur Extensivierung der Landwirtschaft kommen“ , glaubt er. Reinhard Claus, Geschäftsführer der Jeßnigker Agrar GmbH aus dem Elbe-Elster-Kreis, sieht der Entkopplung „mit gemischten Gefühlen“ entgegen. Durch die Übergangsfristen in Deutschland bekomme man als „ver edlungsstarker Betrieb“ mit 350 Milchkühen, 700 Jungrindern, 300 Bullen und 200 Mutterkühen noch einen Ausgleich auf die Produktion. Wenn die Übergangsfristen in Deutschland ausgelaufen sind, rechnet Claus mit Einbußen.
„Nur negative Auswirkungen“ der EU-Agrarreform befürchtet der Vorsitzende der Agrargenossenschaft Gräfendorf, Hansgeorg Löwe. 2000 Rinder und 4000 Schlachtschweine stehen in den Ställen der Genossenschaft. 35 Leute versorgen die Tiere und bewirtschaften 1800 Hektar Land. Gemessen am Landesdurchschnitt haben die Gräfendorfer einen mehr als doppelt so hohen Viehbesatz. „Wer als Veredlungsbetrieb wie wir von Neujahr bis Silvester produziert, wird abgekoppelt“ , meint Löwe.
Der Bauernbund in Brandenburg, ein Zusammenschluss von Familienbetrieben, begrüßt die Neuregelungen durch die EU-Agrarreform. Präsident Karsten Jennerjahn, der Landwirt in der Prignitz ist, erklärt: „Wir haben von Anfang an die Flächenprämie gefordert, weil die Fläche ein objektiver Maßstab für die gesellschaftliche Leistung ist, die die Landwirtschaft erbringt.“
Durch die Entkopplung der Betriebsprämie von der Produktion müssen sich die Betriebe künftig noch stärker als bisher an betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten orientieren, heißt es beim Deutschen Bauernverband (DBV). „Künftig sind noch mehr Kosten deckende Preise bei Getreide, Milch oder Rindfleisch entscheidend“ , so ein DBV-Sprecher.

Konsequenzen gezogen
„Wir legen Wert auf Beschäftigung der Menschen. Doch wenn wir für unsere Produkte wie etwa Milch nichts mehr bekommen, müssen wir Personal abbauen“ , sagt Hansgeorg Löwe. Das wäre, so der Gräfendorfer Genossenschaftsvorsitzende, für die Leute besonders bitter, weil sie bei einem Stundenlohn um die 6,50 Euro ohnehin schon zu den Geringverdienenden gehören.
Terno und seine Mitstreiter haben bereits eine Konsequenz gezogen. Terno: „Wir haben die Milchproduktion eingestellt.“ Er begründet das mit den Produktionskosten. Die lagen bei 33 Cent je Liter, erzielt wurden auf dem Markt allerdings nur 27 Cent. „Das konnte so nicht mehr weitergehen.“ Weil genügend Futter in Silos und Scheunen ist, betreibt Terno die Rindermast weiter. Er hofft, dass durch den Wegfall der Schlachtprämie die Erzeugerpreise anziehen. Denn bei einem Euro Futter-, Personal- und andere Kosten, die je Tag zu Verfügung stünden, um bei der Mast nicht in die roten Zahlen zu rutschen, sei der Spielraum nicht groß, so Terno.
Indes hofft der Deutsche Bauernverband, dass sich die Märkte für Milch und Milchprodukte stabilisieren. Grund für den Optimismus ist die weltweit anziehende Nachfrage nach diesen Erzeugnissen und der Abbau der Lagerbestände innerhalb der EU. Die Buttervorräte wurden beispielsweise im vergangenen Jahr um 120 000 Tonnen auf nun 85 000 Tonnen verringert. Auch bei Magermilchpulver sind die Bestände drastisch reduziert worden, von 197 000 Tonnen im Jahr 2003 auf 30 000 Tonnen im vergangenen Jahr.
Hansgeorg Löwe aus Gräfendorf sieht die Zukunft allerdings nicht so rosig. „Ich weiß nicht, wo der Bauernverband das her hat“ , zweifelt er. Auch Reinhard Claus ist skeptisch: „Wenn überhaupt, dann stabilisieren sich die Preise auf niedrigem Niveau“ , legt er den Finger in die Wunde. Allein durch den Preisverlust von mehr als fünf Cent je Liter seit 2001 fehlten der Jeßnigker Agrargenossenschaft im vergangenen Jahr 150 000 Euro in der Kasse. „Wenn man uns Bauern vernünftige, stabile Grundpreise für die Produkte bezahlen würde, dann brauchten wir die ganze Förderpolitik nicht“ , meint Löwe. Bei Getreide erhalte der Erzeuger heute nur noch zwischen fünf bis zehn Prozent von dem, was der Kunde bezahlt, bei Milch etwa 30 Prozent, so Löwe. Vor 30 Jahren wären es noch 50 bis 70 Prozent gewesen. Und keiner könne vorhersagen, wie sich das weiter entwickelt. „Das wissen nur die Götter“ , beschreibt er das Dilemma.