Vor diesem Hintergrund veröffentlicht die Welternährungsorganisation FAO der Vereinten Nationen heute in Rom ihren neuen Bericht über den Zustand der globalen Fischerei. Erwartet wird die Warnung, dass der Mensch, um kurzfristig Gewinn zu machen, eine seiner wichtigsten Nahrungsquellen dauerhaft zerstört.
Oft gehen große Teile des Fangs tot über Bord, weil die Quote für diese Art schon erfüllt ist. Stählerne Riesennetze pflügen eine Schneise in den Boden der Tiefsee, die sich über Jahrhunderte nicht erholen wird. Was sie verschonen, stirbt oft in achtlos weggeworfenen "Geisternetzen" - so zum Beispiel viele langsam wachsende Bodenfische. Fische in Aquakulturen wiederum werden mit von weit herbeigeschafftem Fischmehl aus den Weltmeeren gefüttert. Zudem zerstören Gifte und abgeholzte Mangrovenwälder die Laichgründe der Tiere, während die artenreichen Korallenriffe in großem Maßstab ausbleichen und damit eine weitere Brutstätte vieler Meeresfische verloren geht.
"Auf hoher See herrschen Methoden wie im Wilden Westen", fasst Ralph Kampwirth von der Umweltstiftung WWF (World Wide Fund for Nature) zusammen. Seine Organisation warnt seit vielen Jahren unter anderem davor, dass sich viele Staaten ihrer jeweiligen Fischereilobby beugen, statt die von Experten empfohlenen Quoten zu akzeptieren. Die Vereinten Nationen warnen auch, zum Beispiel vor der verheerenden Schleppnetzfischerei, die alles zermalmt, was am Boden lebt.
Viele Naturschützer haben sich in der Deep Sea Conservation Coalition (DSCC) zusammengeschlossen, darunter Greenpeace, Oceana und BirdLife International. DSCC-Sprecher Matthew Gianni warnte: "Der Dodo war innerhalb von Jahrzehnten ausgerottet, nachdem die ersten Segler Mauritius erreicht hatten. Die Tiefseefischer arbeiten noch schneller." Greenpeace schlägt vor, für 40 Prozent der Weltmeere ein Fischfangverbot aufzustellen. Vor allem Laichplätze und Wanderrouten der Fische müssten geschützt werden.
Wenn die Artenvielfalt der Meere weiterhin so stark dezimiert wird wie bisher, könnte die Fischerei bereits Mitte des Jahrhunderts zusammenbrechen. Davor warnte eine Gruppe internationaler Ökologen und Wirtschaftsexperten um Boris Worm von der Dalhousie-Universität in Halifax (Kanada) Ende 2006 im Journal "Science". Die Forscher nutzten Daten aus einer Vielzahl von Experimenten, Messungen und Fischereiaufzeichnungen.