Der 1. Mai brachte gleich mehrere große Schritte aufeinander zu. So reiste der Frontmann der Dresdner Straßenbewegung Pegida, Lutz Bachmann, nach Erfurt zu einer Kundgebung der Thüringer AfD. Die Begegnung Bachmanns mit dem AfD-Landeschef Björn Höcke sei "herzlich" gewesen, berichteten Medien.

Dass Pegida und die Thüringer AfD miteinander können, ist schon länger bekannt. Doch auch mit dem sächsischen Landesverband könnte es nun inniger werden. Das deutete der AfD-Mann Egbert Ermer, Vorstand des Kreisverbands Sächsische Schweiz/Osterzgebirge, ebenfalls am Montag auf der Pegida-Kundgebung in Dresden an. Demnach planen die Partei und die selbst ernannten Retter des Abendlands für den kommenden Montag parallele Veranstaltungen vor der Frauenkirche. "Also lasst Euch überraschen", sagte Ermer und versprach einen "vielleicht historischen Tag".

Lutz Bachmann sprach am Montag zwar von einem "organisatorischen Missverständnis". Man wolle nun aber zwei Bühnen nebeneinander aufbauen und sich mit Reden abwechseln. Bachmann erklärte zudem, "nur zusammen können wir es irgendwie schaffen". AfD-Mann Ermer konkretisierte das: Ziel sei der "Berliner Reichstag", und dazu "gehört die AfD, dazu gehört Pegida, dazu gehört die Identitäre Bewegung." Ebenjene düstere Gruppierung aus Geschichtsverklärern, die der Verfassungsschutz beobachtet.

Auch auf einer AfD-Kundgebung in Zwickau waren derlei Signale am Montag zu vernehmen. Der dortige Direktkandidat für die Bundestagswahl, Benjamin Joseph Przybylla, hatte auch den umstrittenen Chefredakteur des neu-rechten Magazins "Compact", Jürgen Elsässer, als Redner geladen.

AfD und Pegida, das war von Anfang an eine naheliegende Verbindung. Hier die Partei, die 2014 dank Botschaften wie "Grenzen dicht" mit fast zehn Prozent in den Landtag einzog. Da die Straßenbewegung, die ein Protestpotenzial mobilisierte und öffentlich sichtbar machte, das über Monate die öffentliche Diskussion bestimmte. Ein Schulterschluss kam in Sachsen nur deshalb nicht zustande, weil Bachmann und AfD-Landesschefin Frauke Petry persönlich nicht miteinander können. Das zeigte sich schon im Januar 2015, als Petry auf dem Höhepunkt des Pegida-Hypes Bachmann und sein Orga-Team zum "Kennenlernen auf persönlicher Ebene" einlud. Hinterher sprach Petry zwar von "offensichtlichen inhaltlichen Schnittmengen", doch mehr wurde nicht daraus. Pegida verhieß der AfD zwar ein großes Wählerpotenzial. Doch allzu viel Kooperation hätte die Bürgerlichen in der Partei verschreckt.

Stattdessen hat die AfD mehrfach beschlossen, sich von Pegida fernzuhalten. Im Mai 2016 entschied der AfD-Bundesvorstand, "dass AfD-Mitglieder weder als Redner, noch mit Parteisymbolen bei Pegida-Veranstaltungen auftreten sollen". Der Grund: Die zweifelhaften Redner, die Bachmann immer wieder auf seine Bühne einlädt, hält man in der AfD für keine geeignete Gesellschaft.

Doch das gilt nicht für die ganze Partei. Einen Beschluss des sächsischen Landesverbands von 2016, dass "das Mitführen von AfD-Symbolen auf Pegida-Veranstaltungen durch AfD-Mitglieder als parteischädigendes Verhalten zu bewerten ist", hat die Partei auf mehreren Ebenen jetzt wieder gekippt. Was auch ein Zeichen für die schwindende Macht der Frauke Petry in der Partei ist. Auch im Landesverband Sachsen schwindet der Rückhalt für die angeschlagene Chefin. Nun drängen eben Leute wie Ermer und Przybylla nach vorn, die im anstehenden Bundestagswahlkampf die Bühne Pegida gern nutzen wollen.