Dass die Attentate eine Reaktion auf die Angriffe Frankreichs in Syrien waren, hatten die Angreifer auf den Konzertsaal Bataclan schnell deutlich gemacht. "Das hier ist für Syrien", rief einer der jungen Männer laut Augenzeugen.

Die Antwort der französischen Luftwaffe folgte prompt: Am Sonntagabend warfen zehn Jagdflugzeuge Bomben über einem IS-Kommando- und -Ausbildungszentrum im syrischen Rakka ab. Der Angriff war deutlich stärker als die vier anderen, die die französischen Bomber seit Ende September geflogen waren.

"Wir werden erbarmungslos sein", hatte Hollande angekündigt. Doch in seinem Rachefeldzug gegen die Extremisten braucht Frankreich Verbündete. Der Parteichef seiner Sozialisten, Jean-Christophe Cambadelis, forderte im Radio bereits eine Koalition gegen den IS. "Man muss von der Solidarität zur Handlung schreiten, um die zu zerstören, die eine Barbarei für die ganze Welt bedeuten."

Wie ein solch vage formuliertes Bündnis aussehen soll, ist aber nicht einmal den Franzosen klar. In Europa gibt es dafür kaum Partner: Die Bundesregierung setzt bei der Lösung des Syrien-Konflikts erst einmal auf die Uno und Großbritannien braucht für einen Einsatz erst das grüne Licht des Parlaments. Doch einen Verbündeten haben die Franzosen bereits: die USA. Zu Beginn des Einsatzes gegen den IS stellte Hollande noch klar, dass Frankreich weitgehend autonom handele. Doch inzwischen setzt sich in Paris die Erkenntnis durch, dass es ohne die Unterstützung der USA nicht geht.

Einen weiteren Alliierten brachte Oppositionschef Nicolas Sarkozy ins Spiel: den russischen Präsidenten Wladimir Putin. "Wir brauchen jeden, um den IS zu vernichten und vor allem die Russen. Es kann keine zwei Koalitionen in Syrien geben", sagte der Ex-Präsident.

Seine Forderung richtet sich klar gegen den Kurs Hollandes, der sich Russland als Verbündeten des syrischen Machthabers Baschar al-Assad nicht an seiner Seite vorstellen kann. Der französische Staatschef ist einer der erbittertsten Gegner Assads.

Mit seinem Einsatz in Syrien hatte Hollande lange gewartet, um eben nicht Assad in die Hände zu spielen. Doch der vereitelte Anschlag im Thalys Amsterdam - Paris Ende August soll den Präsidenten zum Umdenken gezwungen haben. Spätestens da musste der Sozialist sich eingestehen, dass die Feinde Frankreichs vor allem in Syrien sitzen.