Der Protest gegen die Ergebnisse der jüngsten Volkszählung wächst. Bis Ende vergangener Woche sind in den Statistischen Landesämtern bereits rund 270 Widersprüche von Städten und Gemeinden sowie von den beiden Bundesländern Hamburg und Berlin eingegangen. "Und das ist noch nicht das Ende der Fahnenstange", so Norbert Brugger vom Städtetag Baden-Württemberg. In einigen Ländern endet die Widerspruchsfrist erst in den nächsten Wochen, und in den großen Bundesländern Bayern, Nordrhein- Westfalen und Niedersachsen laufen noch Anhörungsverfahren zu den Zensus-Ergebnissen.

Gleichwohl haben allein in Schleswig-Holstein bereits mehr als 60 Kommunen Widerspruch eingelegt, weitere 46 in Brandenburg, 44 in Mecklenburg-Vorpommern, 27 in Sachsen, mindestens 21 in Hessen und 38 in Baden-Württemberg, wo die Frist erst Ende Juli endet.

Besonders hoch ist diese Quote im Saarland, wo 52 Kommunen das Ergebnis nicht akzeptieren wollen. Es gebe "berechtigte Zweifel" an der Durchführung des Zensus, erklärte Städtetags-Dezernent Brugger laut Medienberichten.

Die Einwohnerzahlen, die über eine repräsentative Volksbefragung im Jahr 2011 ermittelt wurden, waren in vielen Städten eklatant niedriger als die Zahlen in den Registern der jeweiligen Meldeämter. Bei den betroffenen Kommunen kann dies zu erheblichen Einnahmeausfällen führen, da sich wichtige staatliche Finanzierungssysteme nach der Einwohnerzahl richten. Auch die Größe der Kommunalparlamente und die Bezahlung der Bürgermeister hängen davon ab.

In der Lausitz hingegen hält sich der Widerstand noch in Grenzen. Wie Recherchen der RUNDSCHAU ergaben, will bislang nur Lübbenau Widerspruch gegen das Ergebnis der Bevölkerungsstatistik einlegen. Cottbus verzichtet auf einen solchen Schritt. Stadtsprecher Wieland Eschenburg meinte: "Wir zweifeln den Zensus nicht an." Die neuen Zahlen der Bevölkerungsanalyse hatten für Cottbus ergeben, dass dort weniger als 100 000 Menschen leben.

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