Ein Blick in die sächsische Hochschulstatistik: Von den 113 000 Studenten, die zum Wintersemester 2014/15 an den 14 sächsischen Hochschulen eingeschrieben waren, hatten rund 20 000 die Regelstudienzeit bereits überschritten. Knapp 1000 gar um mehr als acht Semester.

Die Regelstudienzeit ist seit Längerem umstritten. Die Zeit, in der ein Studium abgeschlossen werden sollte, beträgt bei Bachelor-Studiengängen meist sechs oder sieben Semester, bei Master zwei bis vier. Im Schnitt fünf Jahre verbringt ein Jung-Akademiker demnach an der Uni. In der Praxis ist es meistens deutlich mehr.

Nur ein Drittel aller brandenburgischen Bachelor-Studenten wird in den veranschlagten sechs Semestern fertig, das ergab eine Anfrage der Linken-Landtagsfraktion im Mai 2015. Fast die Hälfte braucht mindestens acht Semester. Den Abschluss schafften im Prüfungsjahr 2014 gerade 2700 von 8400 Absolventen pünktlich. Ihr Anteil rutschte von 2013 bis 2014 auf unter ein Drittel.

Dabei sollte die Bologna-Reform mitsamt Umstellung auf Bachelor und Master jüngere Absolventen schneller auf den Arbeitsmarkt spülen. Doch 17 Jahre nach Einführung der Bologna-Neuerungen ist kaum etwas wirklich schneller geworden. Studentenvertreter sehen die schlechten Zahlen bei der Regelstudienzeit als Beleg für das Scheitern der Bologna-Reform. "Nicht jedes Studium kann uniformiert, einheitlich und gleichgeschaltet verlaufen", heißt es dazu aus dem Allgemeinen Studierendenausschuss (Asta) der Universität Potsdam.

Die Fristen müssten den realen Verhältnissen angepasst werden. Landesregierung und Hochschulen sollten erkennen, dass die geltenden Studienzeiten "schwer zu unterbieten" seien, fordert der Asta. Schwer wird es für Studenten mit dem Geld: Wer einen Job hat, kann kaum straff durchstudieren. Wer überzieht, bekommt indes kein Bafög.

Die Gründe für die Verspätung sind meistens Praktika und Kinder. Praktika gehören gerade in technischen Studiengängen zum Pflichtprogramm, sind aber in der Regelstudienzeit nicht eingeblockt. Wer draußen ins Arbeitsleben schnuppert, der braucht länger.

Ein Problem, das vor allem technische Universitäten umtreibt. Mathe- und Chemie-Studenten nehmen sich gern ein Semester für ein Praktikum, ohne dafür ein Urlaubssemester einzureichen. Geologie-Studenten gehen üblicherweise zwischendurch ins Ausland. Die Häuser werben aber mit dem Studienerfolg. Der lässt sich an vielen Parametern festmachen. Neben eher subjektiv bewerteten Studienbedingungen zählen Kennzahlen zur Studiendauer ebenso wie etwa Absolventenquoten. Hohe Abbrecherzahlen und lange Studiendauer verdunkeln die Erfolgsbilanz. Von den 6000 Absolventen sächsischer Fachhochschulen brauchten 4900 bis zu ein Jahr länger.

Am schnellsten bundesweit studiert es sich im Saarland. Dort schaffen 51,1 Prozent ihren Abschluss wie vorgesehen.