Anke Lorenz war am Donnerstag am helllichten Tag in ihrem kleinen Geschäft brutal getötet worden. Dreimal hatte der Täter mit einem spitzen Gegenstand offensichtlich mit großer Wucht in die Brust der Frau gestochen. Im Rücken gab es eine weitere Stichverletzung.

Kannte sich der Täter aus?
Die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Cottbus, Cäcilia Cramer-Krahforst, teilte gestern mit, dass aus dem Tresor eine fünfstellige Geldsumme fehlt. Das könnte ein Anhaltspunkt dafür sein, dass Habgier Motiv für den Überfall und den Mord war.
Dass Anke Lorenz eine so hohe Summe im Geldschrank hatte, überrascht Kunden der Postagentur. So hatte ein Mann aus Doberlug unmittelbar nach der Tat noch vermutet, dass die Beute des Täters oder der Täter eher gering sein dürfte. Als er einmal 2000 Euro abheben wollte, habe die Filialinhaberin das Geld erst anfordern müssen. Keine Angaben machten die Ermittler, wie der Tresor zu öffnen gewesen sei. Auch über Kampfspuren am Tatort ist nichts bekannt.
Fest steht, dass der Mörder sehr rasch gehandelt haben muss. Zwischen der nachweislich letzten Kasseneinnahme am Donnerstag um 10.47 Uhr bis zum Auffinden der Toten war nur eine knappe Viertelstunde vergangen. In etwa dieser Zeit soll nach Angaben einer Zeugin ein Mann aus der Poststelle geeilt sein.
Die kleine Filiale liegt an der Hauptstraße mitten im Ort. Die Polizei vermutet, dass sich der Täter in dem Geschäft, in der neben Zeitungen auch Geschenkartikel und ein umfangreiches Teesortiment angeboten wurden, gut ausgekannt haben muss. Möglicherweise hat er sie mehrfach besucht. So soll Anke Lorenz mehrfach von einem Mann berichtet haben, der ihr merkwürdig vorgekommen sei.
Umfangreiche Fahndungsmaßnahmen der Polizei, die bei einem solchen Verbrechen stets sofort eingeleitet werden, brachten in Doberlug-Kirchhain offensichtlich keinen Erfolg. Auch die Suche per Hubschrauber nach verdächtigen Fahrzeugen oder Personen blieb bisher ohne Ergebnisse. Die Beobachtungen werden durch die Ermittler weiter ausgewertet. Der Täter könnte sich durchaus noch in der Kleinstadt aufhalten.
Trotz der Anzeichen, dass es sich um einen Raubmord handeln könnte, den es in dieser Brutalität in der Region noch nie gab, schließen die Kriminalisten allerdings auch eine Beziehungstat nicht aus. Der Täter muss wie von Sinnen zugestochen haben, verlautete aus Polizeikreisen. Es könne auch Hass im Spiel gewesen sein.

Zweiter Schicksalsschlag
Am Donnerstag hatten die Kriminaltechniker bis in den frühen Abend hinein die Postfiliale unter die Lupe genommen. Stunden hatte es gedauert, bis die Ermordete abtransportiert werden konnte. Polizei und Notfallseelsorge kümmerten sich um die Angehörigen, für die es der zweite schwere Schicksalsschlag innerhalb eines reichlichen Jahres war. Erst im November 2002 war die Mutter von Anke Lorenz während des Besuches eines Konzerts in Berlin plötzlich tot umgefallen.