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| 05:17 Uhr

Ärztemangel
Geld soll Ärzte aufs Land locken

Junge Mediziner sollen die Lücken bei der Hausärzte-Versorgung auf dem Land schließen. Finanzielle Anreize sollen dabei helfen.
Junge Mediziner sollen die Lücken bei der Hausärzte-Versorgung auf dem Land schließen. Finanzielle Anreize sollen dabei helfen. FOTO: sepy/fotolia.de
Cottbus. Mit Geld für Ausbildung und mehr soll jungen Medizinern die Arbeit auf dem Land attraktiv gemacht werden. Von Simone Wendler

Der Blick auf eine Karte der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Brandenburg zeigt das Problem in Farbe. Der Süden des Landes leuchtet darauf überwiegend grün oder hellblau. Nur das Gebiet um Elsterwerda und Bad Liebenwerda zeigt dunkelblaue Farbe. Das heißt, nur hier gibt es entsprechend den Zulassungskriterien genügend Hausärzte. In den Gebieten Lübben und Cottbus stehen dagegen zusammen fünf Hausarztpraxen zur Übernahme bereit. In allen anderen Gebieten sind Neuansiedlungen möglich, werden vielerorts sogar gefördert.

In Ostsachsen ist die Lage nicht besser. In den Landkreisen Görlitz und Bautzen warten 35 freie Hausarztstellen auf neue Besetzung. Und die Zukunft verheißt kaum Besserung. Jeder dritte Hausarzt in diesem Gebiet ist älter als 60. Jeder achte hat sogar schon seinen 65. Geburtstag hinter sich. Im Landkreis Görlitz ist die Überalterung der Hausmediziner besonders drastisch. Mehr als die Hälfte von ihnen ist über 60 Jahre alt. Und neben Hausärzten fehlen in manchen Orten in Brandenburg und Sachsen auch niedergelassene Fachärzte.

Dass die medizinische Versorgung nicht noch schlechter ist, ist vermutlich umfangreichen Förderprogrammen in Brandenburg und Sachsen zu verdanken, mit denen inzwischen Millionenbeträge bewegt werden. Seit gut zehn Jahren versuchen Kassen und Kassenärztliche Vereinigungen, damit vorallem Hausärzte für ländliche Regionen zu gewinnen. Die Palette der Anreize ist breit: Geld zur Praxiseinrichtung, Umsatzgarantien, Geld für Praktika angehender Mediziner, in Sachsen sogar ein gefördertes Studium.

Mit maximal 60 000 Euro wurden in Brandenburg seit 2006 insgesamt 54 Hausärzte und zehn Fachärzte unterstützt. Gesamtsumme 2,6 Millionen Euro. Ein Teil dieses Geldes floss nach Peitz und Senftenberg. „Damit wurden Schließungen von Hausarztpraxen verhindert und die Versorgung stabilisiert“, sagt Christian Wehry, Sprecher der Brandenburger KV. Das Fördergeld käme zur Hälfte aus dem Honorartopf der Ärzte, zur anderen Hälfte von den Krankenkassen.

 Finanzielle Hilfe gibt es auch, um Ärzte in Weiterbildung und angehende Mediziner in ihrem viermonatigen Pflichtpraktikum (Famulatur) nach Brandenburg zu locken. Das Geld geht an Ausbilder und Auszubildende. Die Gesamtsumme für alle Fördermaßnahmen in Brandenburg betrug nach Angaben von Wehry im vorigen Jahr fünfeinhalb Millionen Euro.

Wie entscheidend Fördergeld dabei ist, wo ein Arzt sich niederlässt, sei schwer zu beurteilen, so der KV-Sprecher: „Geld allein ist sicher kein Grund, aber es kann bei der Entscheidungsfindung der letzte entscheidende Schubser sein.“ Angenommen werden die Finanzspritzen jedenfalls auch in Sachsen.

Seit 2012 wurden im Freistaat 74 Anträge bewilligt. Von einer halben Million Euro jährlich stieg die Summe des dafür ausgegebenen Geldes auf fast 2,9 Millionen Euro im Jahr 2016. Die meisten geförderten Praxen gehörten Hausärzten. Nun hat der sächsische Landesausschuss von KV und Kassen sogar noch eine Schippe draufgelegt.

Seit Oktober beträgt der Investitionskostenzuschuss in sächsischen Gebieten mit „besonders kritischer Versorgungssituation“ nicht mehr 60 000, sondern 100 000 Euro. Acht Hausarztstellen wurden damit ausgelobt. „Seit der Änderung gab es zahlreiche Anfragen von interessierten Ärztinnen und Ärzten“, so der sächsische KV-Sprecher Ingo Mohn. Es seien auch schon Anträge auf Zulassung auf freie Arztsitze eingegangen. Seit Herbst 2013 geht Sachsen mit einem speziellen Programm direkt in die Ausbildung künftiger Haus-
ärzte für ländliche Gebiete. Unter dem Motto „Studieren und Europa-Zukunft in Sachsen“ bekommen in inzwischen fünf Jahrgängen jeweils 20 Studenten die Gebühren im deutschsprachigen Studiengang Medizin an der ungarischen Universität in Pecs erstattet.

Im Gegenzug verpflichten sich die Studenten, nach ihrem Studium die Facharztausbildung zum Allgemeinmediziner im Freistaat zu absolvieren und und mindestens fünf Jahre im Land als Hausarzt außerhalb der großen Städte zu arbeiten. In jedem Semester müssen die Teilnehmer außerdem ein zweiwöchentliches Praktikum in der Partnerschaftspraxis eines Hausarztes absolvieren. „Wir hoffen, dass sich dabei unter den Betreuten vielleicht auch ein Nachfolger für manche Praxis findet“, so KV-Sprecher Mohn. Das Angebot ist vor allem für Medizininteressierte attraktiv, die kein Super-Abitur haben. Voraussetzung sind lediglich ein Abi-Durchschnitt von mindestens 2,6 und die Belegung von zwei Naturwissenschaften in der Sekundarstufe II. Zur Zeit können sich junge Leute für weitere 20 Studienplätze in Pecs ab nächstem Herbst bewerben.