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Geld sammeln für Cottbuser Menschenrechtszentrum

Figuren, die damalige DDR-Häftlinge darstellen sollen, sind in einer rekonstruierten Gefängniszelle in der Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus zu sehen. Der Träger-Verein des Menschenrechtszentrums kämpft zurzeit um die weitere Finanzierung seiner Arbeit.
Figuren, die damalige DDR-Häftlinge darstellen sollen, sind in einer rekonstruierten Gefängniszelle in der Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus zu sehen. Der Träger-Verein des Menschenrechtszentrums kämpft zurzeit um die weitere Finanzierung seiner Arbeit. FOTO: ZB
Cottbus. Die "Fidelio"-Aufführung hat das Cottbuser Menschenrechtszentrum bundesweit bekannt gemacht. Doch wie sich der Gedenk-ort im kommenden Jahr finanziert, ist noch ungewiss. Es könnte sogar zur Schließung kommen. Simone Wendler

Wer die Ausstellung im Cottbuser Menschenrechtszentrum an einem Wochenende besuchen will, muss ab September genau in den Kalender schauen. Nur noch am ersten Wochenende im Monat öffnen sich am Nachmittag die Türen. Ursache ist Geld- und daraus resultierende Personalnot.

Ein über Bundesförderung finanzierter Historiker hat seine Arbeit im Frühjahr beendet. Zwei weitere bis dahin ebenfalls aus Bundesmitteln finanzierte Mitarbeiter werden seit April aus Spendengeldern bezahlt - bis zum Jahresende.

"Wir brauchen bis Oktober Klarheit, sonst machen wir im Januar zu", sagt Sylvia Wähling. Nur mit Spenden und zwei Kräften des Bundesfreiwilligendienstes könne das Haus nicht offengehalten werden. Wähling ist Geschäftsführende Vorsitzende des Menschenrechtszentrums e.V. (MRZ) und arbeitet seit Jahren ohne Vergütung für das ehrgeizige Projekt ehemaliger politischer Häftlinge, das Cottbuser Gefängnis in einen Gedenkort zu verwandeln, an dem auch aktuelle Menschenrechtsfragen thematisiert werden.

Rund 200 Mitglieder zählt der Trägerverein inzwischen. Sechs Jahre nach seiner Gründung wurde im Dezember 2013 die Dauerausstellung in dem sanierten Hafthaus 1 eingeweiht. 1,7 Millionen Euro waren für die bauliche Instandsetzung durch Gelder vom Bund, vom Land Brandenburg und privaten Spendern zusammengekommen. Für die Ausstellungskosten und drei befristete Stellen gab der Bund weitere 800 000 Euro.

Ehrenamtliche Arbeit, Spenden und die Unterstützung der Stadt Cottbus reichen jedoch nicht aus, um das Erreichte zu erhalten und zu bewirtschaften. Fast eine halbe Million Euro wären jährlich nötig, um den Gedenkort mit weiterer historischer Aufarbeitung, großzügigen Öffnungszeiten und pädagogischer Arbeit zu betreiben, so Sylvia Wähling.

Vor wenigen Tagen waren Mitarbeiter des Brandenburger Kulturministeriums in Cottbus. In den vergangenen zwei Jahren hat das Ministerium sich mit jeweils 88 000 Euro an den Kosten des MRZ beteiligt. "Wir schätzen die engagierte Arbeit des Menschenrechtszentrums", versichert Hans-Georg Moek, Sprecher von Brandenburgs Kulturministerin Sabine Kunst (parteilos). Deshalb bemühe man sich, dauerhaft eine jährliche Finanzierung von 235 000 Euro zusammenzubringen. Das Land will seinen Anteil daran auf jährlich 100 000 Euro aufstocken. Die Stadt Cottbus steuert 35 000 Euro bei. Offen sei allerdings, so der Ministeriumssprecher, ob auch der Bund pro Jahr 100 000 Euro dazugibt. Eine entsprechende Bitte sei an den Bund übermittelt.

Auf eine deutlich bessere und sichere Finanzierung als das Cottbuser Menschenrechtszentrum kann sich die Gedenkstätte Bautzen stützen, die ebenfalls an die politische Haft in der DDR erinnert. Sie ist eines von sechs Objekten in direkter Trägerschaft der Stiftung sächsischer Gedenkstätten. Jährlich erhält sie nach Angaben von Stiftungsgeschäftsführer Siegfried Reiprich über eine halbe Million Euro. Mehr als 100 000 Besucher kommen jährlich in den ehemaligen "Stasi-Knast" Bautzen II, ein Viertel davon Schüler.

In der sächsischen Stiftung haben Erinnerungsorte politischen Unrechts in der DDR von Anfang an einen festen Platz gehabt. Neben Bautzen II in direkter Trägerschaft widmen sich auch geförderte Einrichtungen freier Träger im Freistaat diesem Thema. Dazu gehören der ehemalige Jugendwerkhof Torgau und die Umweltbibliothek Großhennersdorf.

Eine Möglichkeit, das Menschenrechtszentrum Cottbus für eine stabilere Finanzierung unter das Dach der Gedenkstättenstiftung Brandenburg zu nehmen, gibt es offenbar aus verschiedenen Gründen nicht. "Wir halten einen solchen Schritt nicht für sinnvoll", sagt Hans-Georg Moek, Sprecher der Brandenburger Kulturministerin. Die Stiftung habe bereits "eine sehr umfassende Verantwortlichkeit und einen anderen Fokus". Der liegt mit zwei ehemaligen Konzentrationslagern und einer Gedenkstätte für Euthanasieopfer klar auf der Zeit des Nationalsozialismus. Auch die Berücksichtigung der Geschichte des KZ Sachsenhausen nach 1945 als sowjetisches Internierungslager ändert daran nichts.

Die Frage, in die Stiftung des Landes aufgenommen werden zu wollen, habe sich der Verein des MRZ auch noch nie gestellt, sagt Dieter Dombrowski. Der Brandenburger CDU-Landtagsabgeordnete ist Vereinsvorsitzender und war selbst zu DDR-Zeiten aus politischen Gründen in Cottbus inhaftiert. Die Unabhängigkeit des Vereines als Träger wollten die Mitglieder nicht aufgeben: "Da gibt es keine Alternative." Wenn das MRZ in Cottbus eine Gedenkstätte mit Landes- und Bundesbedeutung sei, dann müsse sie auch vernünftig dauerhaft finanziert werden, fordert Dombrowski.

Im Landtag seien alle Fraktionen der Meinung, dass bisher zum Gedenken an DDR-Unrecht zu wenig getan wurde. "Wer sagt, dass das in Cottbus eine gute Sache ist, der muss dem auch Taten folgen lassen", so Dombrowski.

Am 7. November wird das Menschenrechtszentrum in Cottbus auf jeden Fall wieder in das Licht der Öffentlichkeit rücken. Das Land Brandenburg veranstaltet dann in Cottbus seine offizielle Feier zum 25. Jahrestag des Mauerfalls. Neben der Oberkirche ist die Gedenkstätte Veranstaltungsort.

Zum Thema:
Das alte Cottbuser Zuchthaus wurde 1860 eröffnet. In der Nazizeit war es Frauengefängnis. Hier wurden kommunistische Widerstandskämpferinnen und Unterstützerinnen der "Weißen Rose" eingesperrt.In der DDR wurde das Cottbuser Zuchthaus wieder Männer-Haftanstalt und entwickelte sich immer mehr zum politischen Gefängnis. In den 80er-Jahren bildeten Inhaftierte wegen versuchter "Republikflucht" oder "staatsfeindlicher Hetze" die Mehrzahl der Insassen. Viele von ihnen wurden in den Westen freigekauft.2002 wurde das Gefängnis stillgelegt. Im Oktober 2007 gründeten ehemalige Häftlinge den Verein zum Aufbau eines Menschenrechtszentrums an diesem Ort.