Mit neuen Attraktionen wie einer Dschungel-Wellness-Landschaft, einem Kinderparadies mit Europas größter Wasserrutsche, einem Boulevard und einem üppigeren Regenwald will die Tropenwelt unter dem Dach der einstigen CargoLifter-Halle ab 2007 zunehmend internationale Gäste vor allem aus Europa anlocken (die RUNDSCHAU berichtete).
Ole Bested Hensing, der am 1. November 2005 Tropical-Islands-Erfinder Colin Au beerbte, strebt mit der Erweiterung mindestens Platz zwei unter den 200 Anbietern auf dem deutschen Freizeitmarkt an. Die Hindernisse auf dem Weg bis dahin sind allerdings noch längst nicht überwunden.
Von den 32 Millionen Euro für die neuen Investitionen sind 17 Millionen aus einer Fördermittelzusage des Landes Brandenburg eingeplant. Die fehlenden 15 Millionen Euro steuert der britisch-malaysische Mischkonzern Tanjong bei. Bisher haben die Firma aus Kuala Lumpur und Colin Au schon 77 Millionen Euro in Lagune, Südsee, Regenwald und Tropendorf gesteckt.

Sicherheiten eingebaut
Die 17 Millionen Euro, die Tanjong in seinem jüngsten Geschäftsbericht ausgewiesen hat, liegen nach Auskunft der Investitionsbank des Landes Brandenburg (ILB) noch immer im Tresor. Die Auszahlung ist an strenge Auflagen gebunden. Dazu gehört die Sicherung der 500 Arbeitsplätze, die Verwendung des Geldes für Investitionen und nicht zur Deckung der bisherigen Betriebsverluste in Höhe von etwa 26 Millionen Euro und nach RUNDSCHAU-Recherchen vor allem die Absicherung der Fördergelder durch Konzern- und Bankbürgschaften. „Noch hat sich das Unternehmen nicht endgültig erklärt, ob die Auflagen akzeptiert werden“ , begründet ILB-Sprecher Matthias Haensch, warum der Scheck noch nicht ausgestellt ist.
Tropical-Islands-Sprecherin Kathi Sokatsch geht davon aus, dass die Zustimmung von Tanjong in den nächsten Tagen bei der ILB eintrifft. Nach ihren Worten „geht es nur noch um Kleinigkeiten“ . Offenbar streiten intern die Tropical Islands Management GmbH und Tanjong um die Verteilung der finanziellen Lasten aus der geforderten Bankbürgschaft.
Nach Unternehmensangaben in Brand soll mit der Erweiterung der Landschaft in dem 66 000 Quadratmeter großen überdachten Areal ab 1. November 2006 begonnen werden. Noch aber gibt es keine Baugenehmigung. „Wir sind zwar mit Tropical Islands ständig im Gespräch, Bauanträge sind bei uns allerdings noch nicht gestellt“ , teilt die Sprecherin des Landratsamtes in Lübben, Heidrun Schaaf, auf Anfrage mit. Kathi Sokatsch bestätigt das. „Es wird Tag und Nacht daran gearbeitet. Spätestens im September werden die Unterlagen übergeben.“

Zeit sitzt im Nacken
Den Tropical-Islands-Machern sitzt die Zeit im Nacken. Ursprünglich sollte der Umbau im März beginnen. Dann wurde der Termin auf Mai verschoben. Mitte Juli war der 16. Oktober genannt worden. Nun also soll es am 1. November losgehen. Am 26. Dezember will Tropical Islands wieder öffnen, Silvester soll laut Sokatsch mit einer großen Party gefeiert werden. „Tropical Islands wurde in einer Rekordzeit von elf Monaten gebaut. Wir schaffen es auch diesmal“ , lässt sich Sokatsch in ihrem Optimismus nicht bremsen.
Für wirklich attraktive Tropen mitten im Spreewald kann Tropical Islands sogar zwei Millionen Euro mehr verbauen als ursprünglich geplant. Gehofft hatten die Manager nämlich nur auf 15 Millionen Euro, als im Oktober 2003 der Antrag auf Zuschüsse aus öffentlichen Kassen gestellt worden war.
Steffen Kammradt, Sprecher des Potsdamer Wirtschaftsministeriums, wollte sich zur konkreten Summe nicht äußern. Grundsätzlich prüfe der Landesvergabeausschuss, welche Investitionen gefördert werden können. Bei touristischen Projekten, die aus Sicht des Landes von Bedeutung sind, betrage die Förderquote 35 Prozent. Daraus errechne sich die Summe, die als Zuschuss ausgezahlt werden kann. Von einem zusätzlichen Geschenk könne keine Rede sein, so Kammradt.
Inzwischen hat die Gemeinde Krausnick-Groß Wasserburg beschlossen, einen Bebauungsplan für einen Campingplatz zu erarbeiten. Auf einer 22 Hektar großen Anlage sollen in der Nähe des Doms 250 Stellplätze für Wohnmobile und Zelte für Tropical-Islands-Gäste entstehen. Die Gemeinde erhält von der ILB einen Planungszuschuss von 100 000 Euro. 35 000 Euro kommen aus dem eigenen Haushalt.