Im Kampf gegen die besonders in Südeuropa hohe Jugendarbeitslosigkeit ist nach Ansicht von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mehr als nur Geld nötig. Es bedürfe auch kluger Reformen, sagte sie vor einer Konferenz zur Förderung der Jugendbeschäftigung in Europa der "Süddeutschen Zeitung". Erstmals kamen dazu 17 Staats- und Regierungschefs gemeinsam mit den Arbeitsministern und den Chefs der Arbeitsagenturen der anderen 27 EU-Länder nach Berlin. Bei der Konferenz im Kanzleramt stand der Erfahrungsaustausch über bereits erprobte Konzepte zum Abbau der Jugendarbeitslosigkeit im Mittelpunkt. Dafür hatte der EU-Gipfel in der vergangenen Woche sechs Milliarden Euro bis Ende 2015 zur Verfügung gestellt. In Europa sind derzeit rund 5,5 Millionen junge Menschen unter 25 Jahren ohne Arbeit, die meisten davon in den südlichen EU-Mitgliedsländern.

Merkel forderte unter anderem Arbeitsmarktreformen in anderen EU-Ländern an. So sei es "nicht klug, wenn das Arbeitsrecht in manchen Ländern nur für junge Leute flexibilisiert ist, nicht aber für Ältere. Nötig sei auch mehr Mobilität in Europa.

Kritik kam von Sozialdemokraten und Gewerkschaften: Für SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrücke ist der Einsatz der Kanzlerin gegen die Jugendarbeitslosigkeit in Europa völlig unzureichend. "Wir brauchen mindestens 20, 21 Milliarden Euro". Merkel setze zu einseitig auf Sparen und Haushaltskonsolidierung. Nötig seien mehr Wachstumsimpulse.

Bei der hohen Zahl arbeitsloser Jugendlicher in Europa bedeuteten die sechs Milliarden Euro, dass jeder pro Monat mit rund 41 Euro gefördert werde. Das sei lächerlich, sagte Steinbrück. Notwendig seien konkrete Vereinbarungen mit Arbeitgebern und Gewerkschaften. "Ich glaube, dass wir in Deutschland die großen Unternehmen zusammentrommeln müssen, die Standorte in Italien, Spanien, Griechenland und Portugal haben."

Der Chef des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Michael Sommer, sieht in der hohen Jugendarbeitslosigkeit einen Offenbarungseid für die Staats- und Regierungschefs in Europa. Er forderte sie zum Handeln auf: "Die Zeit wohlfeiler Worte und Absichtserklärungen ist vorbei."