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| 02:40 Uhr

Geisterfahrer offenbar schuldunfähig

Das Schild an der Autobahn soll davon abhalten, zum Falschfahrer zu werden. Bundesweit gibt es jährlich bis zu 80 Unfälle durch Geisterfahrer, jeder Sechste endet tödlich.
Das Schild an der Autobahn soll davon abhalten, zum Falschfahrer zu werden. Bundesweit gibt es jährlich bis zu 80 Unfälle durch Geisterfahrer, jeder Sechste endet tödlich. FOTO: Tobias Hase
Cottbus/Lübben. Vor der Jugendstrafkammer des Cottbuser Landgerichts hat am Montag die Verhandlung zu einem Fall begonnen, der Ende Februar 2015 die Lausitz fast einen Tag lang in Atem hielt. Jan Siegel

Vor den Cottbuser Richtern sitzt der heute 22-jährige Moritz M. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, bei einer dramatischen Amokfahrt über die Autobahnen A 13 und A 15 mehrere Menschen verletzt und mehrere Autos zerstört zu haben. Es ist ein Wunder, dass es bei seiner Geisterfahrt keine Todesopfer gab.

Gleichzeitig wirft der Fall Fragen auf. Die Polizei hatte den offensichtlich verwirrten jungen Mann davor nämlich bereits festgesetzt und in eine psychiatrische Klinik nach Lübben (Dahme-Spreewald) gebracht.

Moritz M. war zuerst auf der A 13 in Richtung Berlin mit seinem Auto auffällig geworden. Er fuhr aggressiv und bremste andere Autofahrer brutal aus. Am Ende stoppte er das Fahrzeug mit leerem Tank mitten auf der Autobahn bei Königs Wusterhausen und rannte über die Fahrbahnen.

In Absprache mit einem Notarzt wurde M. daraufhin in die Klinik nach Lübben gebracht. Doch dort bedrohte er eine Krankenschwester und floh zu Fuß.

Wenig später hielt er einen Kleinbus an, bedrohte Fahrerin und Beifahrer mit einer Schere und startete eine Geisterfahrt auf der A 15 in Richtung Forst (Spree-Neiße). Kurz vor der polnischen Grenze wendete er und raste wieder in Richtung Berlin.

Diese Amokfahrt endete in der Nähe des Spreewalddreiecks erst, als Moritz M. brutal und gezielt auf einen Kleinwagen auffuhr. Das kleine Auto überschlug sich mehrfach, die beiden Insassen wurden schwer verletzt.

Moritz M. hat am ersten Verhandlungstag vor dem Gericht alle Vorwürfe eingeräumt. Trotzdem ist unwahrscheinlich, dass Moritz M. am Ende des Prozesses eine Haftstrafe antreten muss. Selbst die Ankläger halten ihn für schuldunfähig.