Das Drama in der algerischen Wüste endete so brutal wie es begann. Ohne langes Zögern hat die algerische Armee am Samstag die Geiselnahme im Südosten des Landes beendet. Blutige Bilanz auf der Gasförderanlage von In Amenas: Mehr als 80 Tote, darunter 32 Terroristen. Nach Medienberichten konnten fünf Terroristen festgenommen werden. Drei weitere sollen geflohen sein,

Die Aktion war lange vorbereitet, das Terrorkommando nach Angaben der Islamisten seit Monaten einsatzbereit. Die Unterstützung der französischen Armee für die Regierung in Mali im Kampf gegen islamistische Rebellen im Norden war dann das Startzeichen.

Nur fünf Tage nach Beginn des französischen Einsatzes in Mali schlugen die Islamisten in Algerien mit aller Gewalt zu. Die Entführer sollen überrascht gewesen sein von der ersten schnellen Reaktion der algerischen Armee bereits am Donnerstag. Doch eine solche Aktion der überaus selbstbewussten Militärs, ein Machtzentrum in Algerien auch jenseits der Regierung, steht in der Tradition blutiger Auseinandersetzungen der 90er-Jahre in Algerien.

Zu Beginn des Jahrzehnts hatte das einflussreiche Militär die Parlamentswahl abgebrochen, um einen Erfolg der "Islamischen Heilsfront" zu verhindern. Die Islamisten gingen in den Untergrund. Es folgten jahrelange Auseinandersetzungen in einem brutalen Bürgerkrieg mit vermutlich 150 000 Toten.

Auch diese Vergangenheit erklärt die Versuche des algerischen Präsidenten Abdelaziz Bouteflika, die Intervention in Mali abzuwenden. Dennoch gewährt er Frankreich Überflugrechte auf dem Weg zum Einsatz in das westafrikanische Krisenland. Für die Terrorgruppe Al Qaida im islamischen Maghreb (AQMI) ist das der Zeitpunkt für den Angriff in Algerien.

Dominique Thomas, Spezialist für die islamistische Bewegung an der renommierten Pariser Hochschule für Sozialwissenschaften (Ehess), sieht die Aktion als Versuch des Terrornetzwerkes, den Konflikt in Mali zu internationalisieren. Für die Grenzenlosigkeit der radikalen Islamisten mag die multinationale Zusammensetzung der Terroreinheit ein Beispiel sein: Nach bisherigen Erkenntnissen stammten die Terroristen bei ihrem Anschlag in der Sahara aus Algerien, Libyen, den Niederlanden, Tunesien, Syrien, Ägypten, Mali, dem Jemen und Kanada.

Ihre Aktionen richteten sie konkret gegen internationale Mitarbeiter der Energieanlage: Gesucht wurden gezielt Ausländer unter den Geiseln. Nach Augenzeugenberichten sollen schon am Mittwoch neun japanische Geiseln von den anderen getrennt und getötet worden sein.

Die Terroristen verfügten offenbar über ein umfangreiches Waffenarsenal: Raketen, Maschinengewehre, Mörser, Granaten, Sprengstoffgürtel, Pistolen. Ihnen gegenüber standen Wachleute der Anlage, die nicht bewaffnet gewesen sein sollen.

Unter dem Eindruck des Blutbads nach der ersten schnellen Reaktion der algerischen Armee am Donnerstag schien die internationale Phalanx gegen den Terrorismus zu wackeln.

Über die Aktion nicht informierte Regierungschefs etwa in London, Oslo oder Tokio übten offen Kritik am Vorgehen. Doch schon beim zweiten, entscheidenden - und wieder blutigen - Schlag der algerischen Armee am Samstag war die Reihe internationaler Solidarität wieder geschlossen.

Von US-Präsident Barack Obama, dem britischen Premierminister David Cameron, Frankreichs Präsidenten François Hollande oder dem norwegischen Ministerpräsidenten Jens Stoltenberg kam einhellig Unterstützung für Algerien. "Die Schuld an dieser Tragödie liegt bei den Terroristen, die sie verursacht haben", meinte etwa Obama. Es gelte, weiter die "Geißel des Terrorismus" in der Region zu bekämpfen.

Für den Öl- und Gasproduzenten Algerien steht neben der Sicherheit auch ökonomisch einiges auf dem Spiel. Der Anschlag hat mit dem Energiesektor den Kern der Volkswirtschaft getroffen. Energieminister Youcef Yousfi bemühte sich am Sonntag um Schadensbegrenzung: "Es gibt keine Auswirkungen auf die inländische Gasproduktion und algerische Verpflichtungen gegenüber ausländischen Partnern."