Zu Details wollen sich die Ermittler derzeit noch nicht äußern. Doch nach RUNDSCHAU-Informationen ist der Mann, der in der Nacht zum Montag eine Tankstellen-Mitarbeiterin nahezu drei Stunden in seiner Gewalt hielt, der Polizei schon von früheren Drogendelikten bekannt.

Deshalb befindet sich der Mann in Strafhaft - und im aktuellen Fall der Geiselnahme hat die Staatsanwaltschaft ebenfalls einen Haftbefehl beantragt. Was zunächst nach doppeltem Aufwand klingt, hat einen plausiblen Hintergrund. "In der Strafhaft könnte er von Vergünstigungen profitieren", erläutert Oberstaatsanwalt Gernot Bantleon. So gibt es laut Strafvollzugsgesetz die Möglichkeit, Gefangenen einen Hafturlaub bis zu 21 Tagen im Jahr einzuräumen. Im Fall des Täters aus Spremberg soll der aktuelle Haftbefehl genau dies verhindern, zumal eine Fluchtgefahr nicht auszuschließen ist.

Unterdessen kommen weitere Aspekte der Geiselnahme ans Licht. Nach Auskunft des Oberstaatsanwaltes hatte der Täter selbst die Angestellte der Spremberger Tankstelle aufgefordert, die Polizei anzurufen: Er wollte auf diesem Weg den Kontakt zu einer ehemaligen Freundin erzwingen.

Gegen 23.45 Uhr war der Mann am Sonntag in betrunkenem Zustand auf dem Gelände aufgetaucht, das sich an der Berliner Straße befindet. Da die Mitarbeiter zu dieser Zeit Geschäfte mit den Kunden nur über den Nachtschalter abwickeln, zerstörte er mit brachialer Gewalt die verschlossene Tür zur Filiale. Dann ging er mit einem Küchenmesser auf die 51-jährige Frau zu - die er sich wohl zufällig als Opfer ausgesucht hatte. Erst um 2.30 Uhr konnte die Angestellte einen günstigen Augenblick zur Flucht nutzen, woraufhin es den Polizisten gelang, den Täter zu überwältigen. Die Frau wurde anschließend in einem Krankenhaus behandelt, da sie während der Geiselnahme einen Schock erlitten hatte.