Um 2.30 Uhr nahm die Tortur für die 51-jährige Mitarbeiterin der Tankstelle ein Ende. Die Frau nutzte einen günstigen Augenblick, um aus der Gewalt des Täters zu fliehen. Er hatte die Tür des Gebäudes an der Berliner Straße wenige Minuten vor Mitternacht eingeschlagen und die Verkäuferin mit einem Küchenmesser bedroht. Oberstaatsanwalt Gernot Bantleon erläutert: "Der Täter wollte gegenüber der Polizei direkten Kontakt zu seiner ehemaligen Freundin erzwingen." Die Verkäuferin habe er sich wohl eher zufällig als Opfer ausgesucht.

Doch sein Plan schlug fehl: Nachdem die Frau aus seiner Gewalt geflohen war, konnten die Polizeibeamten den Mann überwältigen. Nach Angaben der Pressestelle hatte er sich während des mehrstündigen Versuchs der Polizei, den Konflikt zu lösen, "sehr unkooperativ" verhalten. Zudem sei er den Beamten bereits von früheren Straftaten bekannt. Er befindet sich nun in Haft. Die Angestellte erlitt einen Schock. Sie wurde am Montag im Krankenhaus behandelt.

Diese Straftat sei ein einzigartiger Vorfall: Das sagt der Chef des Zentralverbandes des Tankstellengewerbes, Jürgen Ziegner. "Regelmäßig kommt es zu Überfällen in unserer Branche, aber ich habe bislang noch nie von einer Geiselnahme an einer Tankstelle gehört."

Das Gelände des Tatorts blieb bis zum Montagmittag abgesperrt. Dann öffnete die Tankstelle wieder für den Alltagsbetrieb.

Die Pressestelle des Hamburger Konzerns Shell, zu dem die Tankstelle gehört, wollte sich mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen nicht zur Geiselnahme in Spremberg äußern.