Überraschende Wende im Prozess um eine Geiselnahme in einem Intercity: Das Landgericht Potsdam will prüfen, das Verfahren wegen Nötigung von Verfassungsorganen an das zuständige Kammergericht Berlin abzugeben, wie der Vorsitzende Richter am Montag sagte. Der 24-jährige Angeklagte aus Künzelsau (Baden-Württemberg) hatte zuvor gestanden, einen Zug von Berlin nach Hamburg im November 2014 aus politischen Motiven gekapert zu haben. Er habe mit einer Schreckschusspistole den Zugchef und bis zu sechs Passagiere bedroht.

Um sich Respekt zu verschaffen, schoss er in einen Sitz. Dann forderte er vom Zugchef, dass dieser ein Schreiben mit Forderungen am Telefon vorliest. Darin verlangte er, dass der Bundespräsident, die Kanzlerin und der Bundesaußenminister die Anerkennung Palästinas als eigenständigen Staat durch Spanien, Schweden und Großbritannien "auf das Schärfste" missbilligen sollten. Zudem sollten 500 000 Euro an ihn gezahlt werden.

Später wurde er von einem Passagier überwältigt. Polizisten nahmen ihn fest. Erst wurde er in einer Psychiatrie untergebracht, später in U-Haft genommen.

Im Prozess gab der Mann an, ein Freund Israels zu sein. Seine Großeltern seien jüdischer Abstammung, er selbst sei in einer freikirchlichen Gemeinde aufgewachsen. Der 24-Jährige betonte, nichts gegen Palästinenser zu haben. Solange aber die Hamas das Alltagsleben dort bestimme, könne Palästina nicht anerkannt werden. "Ich wollte, dass das Thema in der Bevölkerung mehr Gehör findet", gab er als Motiv an.

"Sie machen auf mich nicht den Eindruck eines gewissenlosen Terroristen", entgegnete der Vorsitzende Richter Jörg Tiemann.

Zum Zeitpunkt der Tat soll der Angeklagte laut Gutachter zurechnungsfähig gewesen sein.