Der Geigenbauer hat es innerhalb von acht Jahren geschafft, mit seinen nach Cremoneser Vorbild gebauten Geigen, Bratschen und Celli weltweite Anerkennung zu finden. Auch als Restaurator wertvoller historischer Instrumente hat er sich einen Namen gemacht.
Schneider-Marfels und seinen vier Kollegen in Dresden und Umgebung kommt dabei die große Zahl der Musiker in der Region zu Gute. Immerhin gibt es hier drei Musiktheater, fünf Orchester sowie eine Musikhochschule mit angeschlossenem Gymnasium. Orchester und Solisten wissen die Qualität der Dresdner Instrumentenbauer zu schätzen.

Erbliche Vorbelastung
Schneider-Marfels wurde 1964 in Freiburg im Breisgau geboren. Sein Vater war ein international bekannter Geiger und Bratschist und gehörte lange zum Basler Orchester. Der Sohn spielt Geige aber nur zum Vergnügen. Sein Handwerk lernte er bei dem international bekannten Geigenbauer Reinhold Schwabl in Bubenreuth bei Erlangen. Nach der Gesellenprüfung studierte Schneider-Marfels an der Fachhochschule in Mittenwald und später in Markneukirchen.
In den Raum Dresden kam er über seine Frau, eine gebürtige Kreischaerin. Hier legte er 1995 seine Meisterprüfung ab. Neben seiner seit 1994 bestehenden Werkstatt in Kreischa hat er noch eine Werkstatt in Dresden eröffnet. Die Wiege des Geigenbaus stand Schneider-Marfels zufolge in Cremona in der Lombardei. Grund war wohl die Nähe zu Venedig. Die Lagunenstadt war Umschlagplatz für Flößerholz, unter anderem für bosnischen Riegelahorn, aus dem früher die Streichinstrumente gefertigt wurden.
Heute wird dieser traditionelle Rohstoff nur noch in Ausnahmefällen genutzt. Die Bestände auf dem Balkan wurden im vorigen Jahrhundert abgeholzt. Inzwischen verwendet man Pappelholz für Boden, Schnecke und Zarge von Geigen, Bratschen und Celli. Für die Decke Bergfichte, die ab
1200 Metern Höhe in den Alpen wächst und besonders hartes Holz hervorbringt. Für kleinere Teile werden Buchsbaum, Palisander und für besonders geforderte Teile Ebenholz genutzt. Letzteres gilt als härtestes Nutzholz überhaupt.
Geigenbau ist bis heute nahezu Handarbeit geblieben. Schneider-Marfels setzt nur wenige elektrisch betriebene Werkzeuge ein. So unterscheidet sich seine Werkstatt kaum von der alter Meister. Der Bau einer wertvollen Geige, Bratsche oder eines Cellos dauert mehrere Monate. Zunächst bestellt der Kunde in der Werkstatt. Ist der Rohbau fertig, kommt der Musiker zum "Anspielen". Danach sind noch Korrekturen an der Klangfülle und an klanglichen Besonderheiten möglich. So kostet ein Geigenneubau zwischen 10 000 und 15 000 Euro.

Nichts über klangvolle Namen
Für wen er alles schon Instrumente gebaut hat, darüber schweigt sich Schneider-Marfels aus. "Es sind international klangvolle Namen darunter", sagt er nur. Darüber hinaus hat er Instrumente für die Staatskapelle, die Dresdner Philharmonie andere wichtige Orchester sowie die Dresdner Musikhochschule hergestellt.