Klein, grün, hungrig - Fidel, nein, Fidelio, ist eine Attraktion im Zoo von Hoyerswerda (Landkreis Bautzen). Er - oder sie - ist ein Kuba-Krokodil und gemeinsam mit seinen sechs Geschwistern ein deutschlandweit beachteter Zuchterfolg. Und Fidel, nein, Fidelio, hat dem Zoo neben einigen Besuchern und lobender Anerkennung auch eine Menge Probleme bereitet. Die lassen sich ganz genau beziffern: Es geht um Fördergeld in Höhe von 400 000 Euro. Ohne die jährliche Unterstützung durch den Kulturraum Oberlausitz-Niederschlesien wäre der Zoo am Ende. Das sagt Zoo-Chefin Carmen Lötsch.

Bei der jüngsten Sitzung des Kulturkonvents im Oktober hatte sich dessen Vorsitzender und Landrat im Kreis Görlitz, Bernd Lange (CDU), kritisch über den Namen Fidel für ein Krokodil geäußert, ihn als unpassend bezeichnet und unvereinbar mit den Leitlinien des Kulturraums, der zahlreichen kulturellen Einrichtungen in der Region die Existenz ermöglicht, darunter Musikschulen, Bibliotheken, soziokulturelle Zentren und Museen.

Lange habe den Namen bei der Konventssitzung direkt mit der Förderung in Verbindung gesetzt, berichtet Carmen Lötsch, die seitdem um die knappe halbe Million aus dem millionenschweren Fördertopf bangt.

Thomas Pilz, Beiratsvorsitzender im Kulturkonvent, äußerte sich ebenfalls kritisch: Mit dem Namen eines kubanischen Diktators solle der Zoo keine Werbung machen. Der Kulturraum wolle dem Zoo zwar nicht unmittelbar die Förderung streichen, aber langfristig würde er es begrüßen, wenn der Zoo über eine Namensänderung nachdenken würde. Ansonsten müsse man damit rechnen, "mittelfristig" nicht mehr unterstützt zu werden, so Pilz.

Lange wiederum war daraufhin bemüht um Beschwichtigung. Die Förderung stehe in keinem Zusammenhang mit dem Krokodilnamen, sagte er.

Fidel im Fernsehen

Der Streit schien beigelegt, bis das ZDF einen Fernsehbeitrag ausstrahlte, in dem sich Thomas Pilz erneut zum Namen Fidel äußerte. Die Kulturraum-Gremien würden sich mit der Frage der Förderfähigkeit des Zoos befassen müssen, sollte dieser weiterhin auf die Namensgebung bestehen. Beim Zoo selbst herrschte weiterhin Unverständnis, so wie bei zahlreichen Freunden des Zoos, die sich unter anderem in Internetforen über die Forderung des Kulturraums beschwerten und lustig machten.

Das Risiko aber, künftig auf die 400 000 Euro Fördergeld verzichten zu müssen, war zu groß für den Hoyerswerdaer Zoo. Dort hat man sich nun entschieden, dem Wunsch des Kulturraums zu entsprechen - Fidel heißt nun Fidelio. Statt an einen kubanischen Staatschef erinnert der Krokodil-Name nun an eine Oper von Beethoven. Viel mehr Kultur geht nicht - hatte sich offenbar auch Brigitte Trunte, Schatzmeisterin des Fördervereins Zoofreunde Hoyerswerda gedacht. Von ihr kommt die Idee für die Neubenennung. Gleichzeitig hat der Verein die Patenschaft für das älteste der sieben Kuba-Krokodile übernommen.

Ein kleines bisschen Rebellion steckt aber auch in diesem Namen, bleibt der Wortstamm "Fidel" doch erhalten. "So sind sicherlich auch die Befürworter des alten Namens zufrieden", sagt Carmen Lötsch.

Vollkommen undiktatorisch

Der Kulturkonvent tagt im Dezember wieder. Dann wird sich entscheiden, ob der Zoo weiterhin mit dem notwendigen Fördergeld rechnen kann. Carmen Lötsch ist zuversichtlich, trägt Fidel doch jetzt einen vollkommen undiktatorischen Namen.

Dem Kuba-Krokodil selbst dürfte der neue Name wenig ausmachen, den Besuchern im Zoo ebenso wenig. Dass Fidel, nein, Fidelio, aber seit dem Streit um seinen Namen zum Medienstar geworden ist, mit TV-Beiträgen nicht nur im ZDF, sondern auch auf Sat.1 gewürdigt wurde und Tageszeitungen die Geschichte aufgegriffen haben, hat den Zoo Hoyerswerda zumindest deutschlandweit berühmt gemacht. So gesehen, hat der Kulturraum tatsächlich Förderung betrieben - wenn auch nicht beabsichtigt.