Selbst beim Naturschutzbund (Nabu) hält sich das Mitleid mit den Muffeln in Grenzen. Die hätten hier ohnehin "kein geeignetes Biotop", sagt Naturschützer Markus Bathen. Ein mediterranes Bergschaf in der Lausitz - das ging lange einigermaßen gut. Doch mit der Rückkehr des Wolfs sind die Tage des wild lebenden Wiederkäuers gezählt. Die Muffelbestände in Sachsen sind auf wenige Hundert geschrumpft.

Dicke Hörner für die Bonzen

Schutzmaßnahmen wird es trotzdem nicht geben. Im Naturschutz gilt knallhart: Was nicht heimisch ist, muss weg. Heimisch ist, was eine Abstammungslinie bis zur letzten Eiszeit nachweisen kann oder sich zumindest über viele Generationen selbstständig am Ort fortgepflanzt hat. Das Muffel ist zu spät eingewandert.

Die Einwanderungsgeschichte des Muffelwilds beginnt zu Kaisers Zeit. Adel und Geldadel jagten gern. Und gern auch mal was Ausgefallenes. Aus dem Mittelmeerurlaub kannte man das exotische Wildschaf und wilderte es in Deutschland aus. Zunächst im Staatsforst Göhrde in Niedersachsen, dann im Harz, schließlich in Hessen.

Auch die Granden der SED jagten gern, sie importierten das Muffel schließlich in Deutschlands Osten. Die exklusiven Jagdreservate firmierten als "Wildforschungsgebiete", aber geforscht wurde da wenig. Beliebt war das Wildschaf wegen seines dicken Horns, das machte sich gut als Trophäe am Datschengiebel. In Försterkreisen ist der Muffelbestand als "sozialistisch-feudalistische Altlast" verschrien. Allein deshalb nicht schützenswert.

Wo die Bonzen auf Pirsch gingen, da lebt das Mufflon immer noch. Experten schätzen mehrere Hundert Stück Muffelwild in der Schorfheide und in der Lausitz. 600 bis 700 Stück werden jährlich in Brandenburg geschossen. Ein Grüppchen lebte noch in der Muskauer Heide. Doch dann kam der Wolf, jetzt ist es weg.

Mit dem Mufflon hier in der Gegend hat es einfach keinen Zweck, da sind sich die Experten weitgehend einig. "Die brauchen einfach Felsen unter den Hufen", sagt Jan Engel vom brandenburgischen Landeskompetenzzentrum Forst Eberswalde. "Doch bei uns ist der Boden feucht und sandig, davon kriegt das Muffel Fußprobleme. Viele der Tiere leiden an der Hufkrankheit Moderhinke. Das natürliche Fluchtverhalten des Wildschafs kommt erschwerend hinzu." Das Muffel kenne den Wolf als Jäger nicht, also verhalte es sich vollkommen falsch. Es setze auf kurze Sprints mit anschließendem Verkrümeln in der Felsspalte. Das macht die Mufflon-Jagd für den Jäger knifflig und spannend. Das Muffel gilt als clever. Es habe "auf jedem Haar ein Auge", sagt Förster Engel. Aber das nützt auch nichts, wenn der Wolf kommt.

Naturschutz brutal

Nabu-Experte Bathen ist eigentlich Wolfs-Experte. Dieser habe als Wildtier einen hohen Status, das Muffel dagegen nicht. Es fällt beim Naturschutz durchs Raster. Zumal es sowieso von ausgewilderten Hausschafen abstammen soll. "Die noch da sind", sagt Bathen, "wollten wir sowieso kaputtschießen." Die Arbeit übernimmt jetzt der Wolf. Der sucht sich immer die leichteste Beute.

Leichter als das Muffel ist nichts. In manchen Gegenden wird der Bestand nicht mehr bewirtschaftet, "da wird geschossen, was kommt", sagt Jan Engel: "Der Wolf hat einfach ältere Rechte." Klingt brutal, ist aber ökologisch sinnvoll. Naturschutz zielt auf den Urzustand ab, da war kein Muffel für die Lausitz vorgesehen. Manche Arten sind eben nur schwer integrationsfähig. Wie die Weißtanne, die zum Fraß der Läuse wird. Oder der Waschbär, der mal als Pelztier eingeführt wurde und jetzt in den Vorgärten sein Unwesen treibt. Besser erging es dem Damwild, auch das kam seinerzeit als Abschussware in den deutschen Wald. Kam da aber viel besser zurecht als das Mufflon.

Das hat auf freier Wildbahn nur noch einen Verbündeten: den Jäger. 2017, so warnt der Landesjagdverband, könnte das Muffel komplett aus Sachsen verschwunden sein. Wolfsfreund Bathen sieht das gelassen. Er hat aus Polen gehört, dass die Muffel sich dort wacker im Wolfsgebiet halten würden. "Im Gebirge, im Harz und in der Sächsischen Schweiz, könnte es vielleicht funktionieren."