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Geheimdienstler werden stärker kontrolliert

Berlin. Die Koalitionsmehrheit will den Bundesnachrichtendienst und die anderen Geheimdienste besser kontrollieren. Der Opposition, Netzaktivisten und Datenschützern geht das nicht weit genug. Jörg Blank

Als Konsequenz aus dem Skandal um Spionage unter Freunden werden der Bundesnachrichtendienst (BND) und die anderen Geheimdienste in Deutschland künftig stärker kontrolliert. Mit den Stimmen der schwarz-roten Koalition verabschiedete der Bundestag am Freitag zwei entsprechende Gesetzentwürfe. Linke und Grüne kritisierten die Reformpläne und lehnten sie ab.

Auch Datenschützer und Netzaktivisten bemängeln, mit den Plänen würden breit angelegte Spitzelaktionen erst legitimiert. Der BND war im Zusammenhang mit der weltweiten Datenschnüffelei des US-Geheimdienstes NSA und umstrittenen eigenen Abhöraktionen gegen befreundete Staaten in die Kritik geraten. Die Gesetzentwürfe im Überblick:

BND-Gesetz

Unabhängige Kontrolle: Mit dem neuen, externen Richter-Gremium reagiert die Große Koalition auf Vorwürfe, der BND habe ein unkontrollierbares Eigenleben entwickelt. Das dreiköpfige "Unabhängige Gremium" besteht aus zwei Richtern und einem Bundesanwalt am Bundesgerichtshof. Es soll vom Kanzleramt über brisante Aktionen des deutschen Auslandsgeheimdienstes informiert werden und etwa auch seine Zustimmung zu möglicher Spionage gegen Einrichtungen der EU oder ihrer Mitgliedstaaten geben müssen. Die Kontrolleure sollen stichprobenartig die vom BND eingesetzten Spionage-Suchbegriffe (Selektoren) jederzeit überprüfen können. In der Affäre war kritisiert worden, dass der BND zum Teil unzulässige Begriffe etwa gegen befreundete Staaten verwendet hat.

Abhöraktionen: Ausdrücklich erlaubt wird Spionage gegen EU-Institutionen oder -Mitgliedstaaten, etwa wenn es um Gefahren für die innere und äußere Sicherheit, die Handlungsfähigkeit Deutschlands oder "Erkenntnisse von außen- und sicherheitspolitischer Bedeutung" geht. Kritikern ist das zu schwammig.

Verantwortung: Anders als bisher muss das Kanzleramt auf Antrag des BND-Präsidenten oder eines Vertreters die Spionage in internationalen Telekommunikationsnetzen künftig anordnen. Damit sollen klare Verantwortlichkeiten sichergestellt werden. Früher waren auch heikle Überwachungsmaßnahmen von niedriger BND-Ebene genehmigt worden.

Wirtschaftsspionage: Ausdrücklich festgeschrieben wird, was bereits schon gilt: Spionage mit dem Ziel von Wettbewerbsvorteilen für deutsche Unternehmen ist verboten. Es heißt aber auch, die Aufklärung von wirtschaftspolitisch bedeutsamen Vorgängen könne erforderlich sein.

Zusammenarbeit: Die Kooperation mit internationalen Partnerdiensten wie dem umstrittenen US-Geheimdienst NSA wird unter bestimmten Bedingungen erlaubt. Ziele müssen demnach etwa der Anti-Terror-Kampf, die Unterstützung der Bundeswehr im Auslandseinsatz oder Informationen zur Sicherheitslage von Deutschen im Ausland sein.

Geheimdienstkontrolle

Ständiger Bevollmächtigter: Weil den Bundestagsabgeordneten im geheim tagenden Parlamentarischen Kontrollgremium oft Zeit für eine tiefere Kontrolle fehlt, wird das Amt eines hauptamtlichen "Ständigen Bevollmächtigten" geschaffen. Er wird von dem Gremium eingesetzt und soll "kontinuierliche und strukturierte Untersuchungen" anstellen und die Arbeit der Kontrollgremien koordinieren. Die Spitze der Unionsfraktion hat sich auf einen Experten des Innenministeriums verständigt. Der Jurist Arne Schlatmann führt dort bisher die Unterabteilung Rechts- und Grundsatzangelegenheiten der öffentlichen Sicherheit.

Whistleblower: Der Schutz für Mitarbeiter der Geheimdienste, die über Missstände informieren, soll verbessert werden.

Öffentlichkeit: Jährlich soll es öffentliche Anhörungen der Präsidenten der Nachrichtendienste des Bundes durch das Kontrollgremium geben - bisher waren die Sitzungen streng geheim.