Die Lausitz gilt als Brennpunkt der Energiewirtschaft. Nirgendwo sonst spiegelt sich der Konflikt zwischen "alter" Kohleindustrie und erneuerbaren Energien derart deutlich wie in der Braunkohleregion in Sachsen und Brandenburg. Jan Hinrich Glahr, Vizepräsident des BWE: "In 15 Jahren werden 50 Prozent des Gesamtstroms in Deutschland aus erneuerbaren Energien kommen, wir werden einen deutlichen Zubau an Windkraft- und Fotovoltaikanlagen bekommen." Damit einher geht, so Glahr, ein Strukturwandel, der sozialverträglich gestaltet werden müsse. "Dafür brauchen wir entsprechende politische Rahmenbedingungen."

Die Bedingungen aber, die derzeit gesetzt werden, sind in der Branche heftig umstritten: Die finanzielle Förderung für Strom aus erneuerbaren Energien soll bis 2017 durch Ausschreibungen ermittelt werden, so eine Festlegung der Europäischen Kommission.

Noch ist unklar, wie genau diese Ausschreibungen aussehen - und welche Ausnahmen sie möglicherweise gewähren.

Während Vertreter von Bürgerwindparkbetreibern oder etwa des BWE dafür plädieren, dass auch künftig kleinere Windparkprojekte ohne Ausschreibungsverfahren arbeiten können, fordert der mächtige Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft Ausschreibungen ohne Ausnahme, um transparente Verfahren zu gewährleisten und keine Förderungen über die Hintertür zu ermöglichen. "Genau das aber wird die Akteursstruktur im Bereich der Windenergie deutlich verändern", fürchtet BWE-Vizechef Glahr. "Die kleinen, regionalen Projekte werden nicht mehr zum Zuge kommen, das Geschäft machen dann zunehmend die großen europäischen Energiekonzerne."

Dass sich mit grünem Strom gute Renditen erzielen lassen, zeigt ein Blick auf Deutschlands Strommix. Schon im vergangenen Jahr stammten hier 160 Milliarden Kilowatt - ein Viertel der Brutto stromerzeugung - aus erneuerbaren Energien. Windkraft sei dabei mit Förderkosten von unter neun Cent durchaus konkurrenzfähig, so Tom Lange vom BWE.

Die Herausforderung der Zukunft liege darin, den Strommarkt völlig neu zu organisieren. Tom Lange: "Die erneuerbaren Energien müssen ins Zentrum des Versorgungskonzeptes rücken und ergänzt werden um Speichermöglichkeiten, Kraft-Wärme-Kopplung, Gaskraftwerke für Spitzenlasten." Wer die Kosten für diese selten gebrauchten und damit unökonomischen Kraftwerke tragen soll, müsse die Politik festlegen.