Von Henning Dommann

Wenn Peter Wöhl über den Wald spricht, ist er konzentriert, fast behutsam. Er weiß, wie komplex dieses Ökosystem aufgebaut ist. Seit 31 Jahren kümmert sich der Förster um den Bestand von rund 7400 Hektar Wald. Sein Revier erstreckt sich zwischen Lieberose und den umliegenden Dörfern Doberburg, Butzen, Jamlitz und Drachhausen. Auch das Gebiet um den ehemaligen Truppenübungsplatz in der Lieberoser Heide gehört dazu. Hier wüteten von Juni bis August Großbrände, die die Lausitzer Feuerwehren über Wochen in Atem hielten.

Ein Grund für das Ausmaß jener Brände ist die Beschaffenheit des Lausitzer Forstes. Seit Jahrhunderten bestehen die Wälder hier zum Großteil aus trockenen Nadelhölzern. Allein in Peter Wöhls Revier sind über 90 Prozent der Bäume Kiefern und Fichten. In den sandigen Böden der Region wachsen sie besonders gut.

Kiefern sind besonders anfällig für Waldbrände

Im Rahmen der Industrialisierung wurden in vielen Regionen Deutschlands, unter anderem in der Lausitz, riesige Bestände an Kiefern angelegt. Ursprünglich wurden diese Kiefern als Grubenhölzer für den Bergbau genutzt, erklärt Peter Wöhl. Die wenig aufwendige Bewirtschaftung der Bäume machte sie zur Massenware. Allerdings tragen Kiefern viel Harz und ihr Holz ist äußerst trocken. Das macht sie anfälliger für Brände und Schädlingsbefall als Laubhölzer. 2014 hatte Wöhl in seinem Bestand große Kahlfraßflächen durch Kiefernspinner zu verzeichnen. Auch der Borkenkäfer bereitet regelmäßig Probleme. Viele der Bäume erholen sich davon erst nach Jahren. „Dadurch gibt es immer wieder Bestände, die unter Dauerstress stehen“, sagt der Förster.

Die Monokultur in den Wäldern soll sich jedoch ändern. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland fordert in einem Zehn-Punkte-Papier die Forstwirtschaft zum Umbau der Wälder auf. Die Stoßrichtung: weg vom einseitigen Nadelwald, hin zu klimaresistenten Laub- und Mischwäldern. Die Förstereien des Landes versuchen diesem Anliegen schon seit Längerem nachzukommen – auch in Lieberose.

Mehr Laubbäume für den Wald in Lieberose

Für einen erfolgreichen Waldumbau bedarf es nicht unbedingt spezieller Baumsorten. Laut Peter Wöhl sei eine gute Mischung aus Laub- und Nadelbäumen sinnvoll. Außerdem hätten die Baumsorten unterschiedliche Standortansprüche. Zuerst müsse man wissen, wo genau man was pflanzen möchte. Die Stiel­eiche ist beispielsweise attraktiv für einen klimastabilen Wald, benötigt dafür aber einen Standort mit guter Wasserversorgung.

Verlässt man Lieberose gen Westen und folgt einem holprigen Pfad in den Wald, kann man erste Ansätze des Waldumbaus erkennen. Inmitten des dichten Kiefernwaldes begutachtet Peter Wöhl regelmäßig den Zustand eines Hains junger Birken. Diese seien das Ergebnis jahrelanger Pflege. „Mein Vorgänger hat die schon vor Jahren angelegt“.

Das Gebiet, auf dem die Jungbäume stehen, ist durchgehend von einem hohen Drahtzaun umgeben. Solch eine Sicherung für junge Laubbäume ist laut Wöhl fast immer nötig. Grund dafür seien die Rehe. Ohne den Zaun würden sie die Knospen und Triebe der noch kleinen Bäume abfressen, besonders im Winter. „Wildverbiss ist nach wie vor ein großes Problem für die Laubbäume und damit für den Waldumbau“, merkt Wöhl an, während er die Triebe einer Birke untersucht.

Der Wald soll resistent gegen den Klimawandel werden

Waldumbau könne laut dem Förster auf zwei Arten geschehen. Zum einen ist durch die Steuerung natürlicher Vorgänge eine Waldverjüngung möglich. Dabei nutze man „die Gratiskräfte der Natur“, so Peter Wöhl. Dadurch würden aber selten neue Baumarten heranwachsen. Reicht dies nicht, kann das Waldbild auch künstlich, durch zielgerichtete Bepflanzung umgebaut werden. Beide Prozesse sind langwierig, die künstliche Variante ist zudem mit mehr Kosten verbunden. Das Ziel solcher Eingriffe ist die Schaffung ökologisch vielfältiger, klima-stabiler Wälder.

Für den Waldumbau bedarf es aber nicht nur erfahrener Förster, sondern auch gewillter Waldbesitzer. Diese müssten den Umbau zum Mischwald auf ihren Flächen zuerst anstoßen, bevor Förstereien und Forstbetriebe tätig werden können, sagt Wöhl. Denn die Besitzer würden letztlich entscheiden, was gepflanzt werde. Dabei geht es manchmal auch um wirtschaftliche Faktoren: So sind Bäume wie die Hainbuche zwar ökologisch sinnvoll, dafür ist ihr Holz oftmals nicht zum Verkauf geeignet. Zudem entscheidet laut Wöhl die Beschaffenheit des Bodens vor Ort, welche Sorten gut wachsen können.

Zu wenige Waldbesitzer pflanzen neue Laubbäume

In Brandenburg sind derzeit 61 Prozent der Waldfläche in privatem Besitz. Das geht aus den Daten der Bundeswaldinventur hervor. Im Lieberoser Revier sind es laut Wöhl sogar zwei Drittel. „Bisher betreiben leider nur wenige Leute den benötigten Waldumbau auf ihren Flächen“, sagt der Förster.

Die Gründe kann er zum Teil nachvollziehen. Im Vergleich zu den weniger anspruchsvollen Kiefern ist die Anpflanzung von Laubbäumen oft mit Risiken verbunden, nicht zuletzt wegen natürlicher Gefahren wie dem Wildverbiss. Auch die Pflanzung selbst ist teurer. Zwar setzt die EU Anreize für private Waldbesitzer, in dem sie die Pflanzung von Laubwald mit finanziellen Mitteln belohnt. Allerdings müsse diese Förderung erst einmal beantragt und genehmigt werden. „Daraus ergibt sich für die Leute oft ein hoher bürokratischer Aufwand“, gibt Wöhl zu. Man kann sich jedoch jederzeit bei der örtlichen Försterei helfen lassen. „Wer Waldumbau betreiben möchte und Hilfe bei den Antragsverfahren benötigt, der kann sich jederzeit an uns wenden. Wir helfen dabei gern.“