Scharfe Kritik an der Massentierhaltung und der Arbeit der Veterinärämter hat der Präsident des Deutschen Bauernbundes, Kurt-Henning Klamroth, am Dienstag in Potsdam geäußert. "Die jüngsten Skandale in Sachsen-Anhalt widersprechen der Aussage, dass Tierwohl unabhängig von Bestandsgrößen möglich ist", sagte Klamroth bei einem bundesweiten Bauerntag, an dem auch Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) teilnahm. "Alle bisher bekannten eklatanten Tierschutzverstöße fanden in agrarindustriellen Massentierhaltungsanlagen statt."

Ihm stelle sich dabei die Frage, warum die Behörden "so lange offensichtlich so völlig versagt haben". Kleine Landwirtschaftsbetriebe würden so überprüft, "dass es schon manchmal an die Grenze der Schikane geht", auf dem "agrarindustriellen Auge" seien die Behörden dagegen blind und "akzeptierten erstaunliche Verstöße".

Pointiert äußerte sich Klamroth auch zum Aufkauf immer größerer Landflächen durch Agrarkonzerne. Grundlage der Landwirtschaft müssten die bäuerlichen inhabergeführten Familienunternehmen sein. "Die in der Region verwurzelten Bauern stehen für eine ökologisch tragfähige und ökonomisch existenzfähige Landbewirtschaftung, die sich einer sozialen und Ressourcen schonenden Wirtschaftsweise verpflichtet fühlt."

Unterstützung erhielt Klamroth von Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt. Der ländliche Raum lebe von der Landwirtschaft. "Wir sind gefordert, die Strukturvielfalt in der Landwirtschaft zu erhalten", sagte Schmidt. "Die ländliche Entwicklung muss unser gemeinsames Ziel sein." Wer sich für das Tierwohl einsetze, müsse auch dafür Sorge tragen, dass Produzenten ökonomisch und ethisch verantwortlich produzieren könnten. "Und das hat dann damit zu tun, dass die Preise stimmen."

Der häufig als Unterstützer industrieller Großbetriebe bezeichnete Brandenburger Landwirtschaftsminister Jörg Vogelsänger (SPD) betonte, dass Brandenburg sowohl den "bäuerlichen Familienbetrieb wie auch die Agrargenossenschaft" brauche. Seit 2010 habe sich die Zahl der Beschäftigten in der Landwirtschaft um acht Prozent erhöht. Dies sei ein Erfolg, so Vogelsänger. Kritik an Tierhaltern wies er dagegen zurück. "Meine Brandenburger Landwirte gehen sehr sorgsam mit dem Tierwohl um", so Vogelsänger. "Sie sind keine Tierquäler, denn die Tiere sind ihr Kapital."