Immer weniger Bewerber? Schrumpfender Ausbildungsmarkt in den ostdeutschen Bundesländern? Die kürzlich erschienene Studie der Bertelsmann-Stiftung zeigte den drastischen Einbruch des Ausbildungsmarktes auf (die RUNDSCHAU berichtete). Die Lausitz folgt diesem ostdeutschen Trend nicht und schreibt eigene Zahlen.

Denn Südbrandenburger Unternehmen signalisierten für das Ausbildungsjahr 2015 eine hohe Ausbildungsbereitschaft, teilt die Handwerkskammer (HWK) Cottbus mit. Sie kann auf insgesamt 712 abgeschlossene Ausbildungsverträge im Handwerk verweisen. "Das entspricht einer Steigerung von gut 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahr", sagt Martina Schaar, Teamleiterin im Bereich Ausbildung. Damit ist die HWK Cottbus Spitzenreiter in Brandenburg.

14 000 Bewerber in Brandenburg

Und auch die Zahlen im gesamten Bundesland widersprechen dem Trend der Bertelsmann-Studie: Es gab mehr Bewerber und mehr Ausbildungsstellen. Das geht aus dem aktuellen Ausbildungsreport des Deutschen Gewerkschaftsbunds Berlin-Brandenburg hervor. So haben sich gut 14 000 Jugendliche um eine Ausbildungsstelle beworben. Das sind fünf Prozent mehr als noch im Vorjahr. Die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen ist um etwa 500 Stellen auf fast 12 700 gestiegen. Davon blieben 1400 Ausbildungsplätze unbesetzt und 850 Jugendliche ohne Lehrstelle.

Zuwachs auch in Sachsen

Auch im Bezirk der Handwerkskammer Dresden hält der Aufwärtstrend an: Gut 1900 neue Lehrverträge schlossen Jugendliche seit Jahresbeginn mit Handwerksbetrieben in Ostsachsen ab. Das entspricht einem Plus von zwei Prozent. Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Dresden, Andreas Brzezinski: "Daran haben wir gemeinsam mit den Betrieben, Innungen und den Kreishandwerkerschaften auch hart gearbeitet, um mit verschiedenen Aktivitäten die Attraktivität einer Ausbildung im Handwerk bei den Jugendlichen zu steigern."

Arbeitswille hat Vorrang

Dass es auch für die HWK Cottbus jede Menge zu tun gab, damit das Interesse an Handwerksberufen wieder steigt, bestätigt Martina Schaar. Die Ausbildungs-Teamleiterin macht mehrere Komponenten für die sehr guten Zahlen im Cottbuser Bezirk verantwortlich. "Die Berufsorientierung in den Schulen läuft viel besser. In unseren Ausbildungszentren zeigen wir den Schülern, was Handwerk alles ist, und sie können sich dann ausprobieren", sagt Martina Schaar. Außerdem hätten die Betriebe selbst mit aktiven Schulbesuchen einen großen Schritt nach vorne gemacht: Praktika anbieten, neugierig machen und auf diesem Weg letztendlich neue Lehrlinge finden. "Unsere Handwerksbetriebe haben auch verstanden, dass sie nicht nur auf die Zensuren der Bewerber schauen, sondern ihnen auch eine Chance zum Probearbeiten geben sollten. Die Lehrlinge können dann zeigen, dass sie für den Beruf brennen", berichtet Martina Schaar. Und Handwerksberufe haben an Wertschätzung gewonnen, besonders bei Eltern, die als Berufsberater eine große Rolle spielen. Denn das Lernen eines Handwerksberufes bedeute eben auch, in der Region bleiben zu können.

Glückliche Azubis

Ob ein Job in der Heimat die Azubis tatsächlich glücklich macht, geht nicht aus der Umfrage des DGB hervor. Wohl aber, dass drei Viertel der Lehrlinge in Berlin und Brandenburg die fachliche Qualität ihrer Ausbildung für gut oder sehr gut halten. Knapp neun Prozent sprechen von einer nur ausreichenden oder gar mangelhaften Qualität, wie die DGB-Jugend Berlin-Brandenburg am Dienstag mitteilte. Die Befragung von gut 1800 jungen Frauen und Männern ist nicht repräsentativ, bestätigt aber im Wesentlichen die Ergebnisse der Vorjahre.

Der DGB kritisierte, dass es immer noch Mängel gebe, etwa ausbildungsfremde Tätigkeiten und unbezahlte Überstunden. Am schlechtesten schnitten in der Rangliste der Gewerkschaften Hotel- und Gaststättenberufe, das Lebensmittelhandwerk und eine Reihe von Dienstleistungsberufen ab.

Ein Indiz dafür, dass auch die meisten Azubis im HWK-Bezirk Cottbus mit ihrer Ausbildung zufrieden sind, liefert Martina Schaar: "Wir verzeichnen einen Rückgang der Vertragskündigungen in der Probezeit." Nicht zuletzt auch deshalb, weil die Betriebe Startschwierigkeiten akzeptierten. Konkrete Zahlen liegen dazu aber noch nicht vor. Ein größeres Gut sei es jetzt, so die Teamleiterin, wenn man einen Lehrling habe. Den wolle man auf seinem Weg begleiten.

"Und auch halten. Wir hören verstärkt, dass Unternehmen ihre Azubis übernehmen", sagt Schaar. Sehr gute Chancen also für Lehrlinge, in den Betrieben bleiben zu können.