Um die Zerstörungskraft ihres kleinen Sprengsatzes zu erhöhen, mischten sie noch eine Ladung billiger Nägel unter das Schießpulver. Der Zeitpunkt für einen Anschlag ist günstig. Der traditionsreiche Kairoer Fußballverein Al-Ahly spielt an diesem Sonntagabend gegen Petrojet aus Suez, den Aufsteiger der Saison. Halb Ägypten verfolgt die Partie, die wegen eines Stromausfalls im Stadion von Suez länger dauert als erwartet, live im Fernsehen. Niemand nimmt Notiz von der kleinen Gruppe von Verschwörern, die vor der Hussein-Pension herumschleicht. Die Ägypter haben sich vorgenommen, im Schatten der großen Hussein-Moschee möglichst viele Ausländer zu töten, vermeintliche "Ungläubige", wie es im Wörterbuch des islamistischen Terrors heißt. Der Sprengsatz explodiert. Blut fließt. Muslime, die sich zwischen dem Gebet zum Sonnenuntergang und dem Abendgebet in der Hussein-Moschee aufhalten, hören Schreie und laufen herbei.Der Anschlag ereignet sich nur rund 300 Meter von dem Ort entfernt, an dem am 7. April 2005 der 18-jährige Selbstmordattentäter Hassan Baschandi zwei ausländische Touristen mit in den Tod gerissen hat. 23 Tage später, am 30. April 2005, attackierten ein weiterer Selbstmordattentäter und zwei tief verschleierte Frauen in Kairo erneut Touristen. Einige Beobachter halten es nun für möglich, dass zwischen dem Anschlag von damals und dem jüngsten Attentat nicht nur eine ideologische Verbindung besteht, sondern dass die Angreifer vom Sonntag Baschandi vielleicht sogar kannten. Was aus Sicht der Experten feststeht, ist, dass die Angreifer vom Sonntag weder zu Terrorgruppen aus dem Dunstkreis der Al Qaida Verbindungen hatten noch zu den Selbstmordattentätern, die bei Terroranschlägen in drei Sinai-Badeorten zwischen 2004 und 2006 mehr als 120 Menschen getötet hatten. Denn, so argumentieren sie, Nagelbomben sind nicht der Stil von Al Qaida. "Der Anschlag war hausgemachter Terrorismus", erklärt Diaa Raschwan vom ägyptischen Al-Ahram-Zentrum für strategische Studien. Den Sicherheitskräften dürfe man keinen Vorwurf machen, sagt er: "Diese Art von primitiven Attacken kann keine Polizei der Welt verhindern." Mittlerweile hat die Polizei fünf Verdächtige festgenommen. Von den 25 Verletzten, darunter zahlreiche Franzosen, konnten 20 das Krankenhaus wieder verlassen. Zu ihnen zählt auch ein 56-jähriger Deutscher.