Der evangelische Pfarrer ist einer der drei Präsidenten im Deutschen Koordinierungsrat der christlich-jüdischen Gesellschaften, die mit der diesjährigen "Woche der Brüderlichkeit" ihr 60-jähriges Bestehen feiern. Rechtzeitig zu ihrem Beginn am Sonntag hat sich auch die Aufregung wieder ein wenig gelegt, die Papst Benedikt XVI. mit der kirchlichen Rehabilitierung eines Holocaust-Leugners verursacht hat. Die Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit und ihr im hessischen Bad Nauheim ansässiger Koordinierungsrat als Dachorgan begannen ihre Arbeit 1949 als Teil des US-amerikanischen Umerziehungsprogramms nach dem Zweiten Weltkrieg. In Deutschland war die Idee eines Dialogs zwischen den Konfessionen relativ neu. "Juden und Christen haben jahrhundertelang nebeneinander gelebt, aber kaum miteinander geredet", erklärte Münnich. In Vorträgen, Diskussionen und gemeinsamem Bibellesen sollten sie Berührungsängste abbauen und Antisemitismus entgegenwirken. Seit 1952 findet auch die "Woche der Brüderlichkeit" statt. Schirmherr ist der amtierende Bundespräsident. Während die Woche in den ersten Jahren öffentlich kaum wahrgenommen wurde, wird die Eröffnungsveranstaltung heute längst vom Fernsehen übertragen. Als die USA die finanzielle Hilfe einstellte, ließ Bundeskanzler Konrad Adenauer die Arbeit des Koordinierungsrates von Bund und Ländern fördern. "Hier kommen Menschen zusammen und bauen Vorurteile ab, das ist sehr wichtig", resümiert die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde in Berlin, Lala Süsskind. Unterschiedliche Interessen beider Seiten führen dennoch oft zu dem Eindruck, der christlich-jüdische Dialog sei eine von der christlichen Seite ausgehende Einbahnstraße. Die politischen Verhältnisse im Nahen Osten sorgen öfter für Konflikte. "Ich habe nichts dagegen, dass Israel kritisiert wird", sagt Süsskind. "Aber dann muss man auch die Hamas kritisieren. Einseitige Schuldzuweisungen grenzen an Antisemitismus."