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Gegen Adler-Horste für Windland

Im Spree-Neiße-Kreis wurde der Horst eines Seeadler-Paares zerstört. Der fall liegt inzwischen bei der Staatsanwaltschaft.
Im Spree-Neiße-Kreis wurde der Horst eines Seeadler-Paares zerstört. Der fall liegt inzwischen bei der Staatsanwaltschaft. FOTO: wildlifephoto-demmel/fotolia
Brandenburg. Unbekannte fällen im Land heimlich Nistbäume der streng geschützten Greifvögel. Umweltschützer vermuten die Grundstücksbesitzer von Windeignungsgebieten hinter den Straftaten. Frank Hilbert

Mussten sich streng geschützte Greifvögel wie Schrei- und Seeadler oder Rotmilan bislang nur vor den sich mit mehr als 100 Stundenkilometern drehenden äußeren Rotorblättern von Windkraftanlagen in acht nehmen, so droht ihnen auch vom Boden aus immer mehr Gefahr in Windeignungsgebieten.

Unbekannte sorgen dafür, dass die Vögel ihre Brutplätze verlieren oder verlassen, um so den Weg freizumachen für die Genehmigung weiterer Windkraftanlagen. Umweltschützer vermuten, dass es sich dabei um die Grundstücksbesitzer handele.

Diana Gevers vom Komitee gegen Vogelmord weiß von fünf ihr gemeldeten Fällen 2016/2017 in Brandenburg - drei davon in diesem Jahr. Der Letzte in der Uckermark. Seit 2014 gibt es nach Angaben des Landkreises Uckermark regelmäßig Übergriffe auf die Horste von Schrei- und Seeadlern. So wurde 2016 bei Grenz ein Horstbaum illegal gefällt. Das Brutpaar zog danach auf einen anderen Baum um - auch dieser wurde umgesägt. Im April dieses Jahres wurde ein weiterer Baum mit Adlergelege bei Herzfelde einfach niedergemacht.

Seinen Nistplatz verloren hat auch ein Seeadler-Paar im Januar dieses Jahres im Spree-Neiße-Kreis. Mit einer Anzeige des Landesamtes für Umwelt wurde die Untere Naturschutz-, Jagd- und Fischereibehörde des Landkreises darüber informiert, dass in der Gemarkung Preschen im Zusammenhang mit Holzungsarbeiten ein Baum gefällt wurde, auf dem sich ein Seeadlerhorst befand, heißt es auf Nachfrage. Da der dringende Verdacht einer Straftat bestehe, wurde die Staatsanwaltschaft Cottbus eingeschaltet. Der aktuelle Ermittlungsstand sei nicht bekannt.

Problem auch im Nachbarland

Auch in Mecklenburg-Vorpommern zerstören Unbekannte Greifvogelhorste. Laut Medienberichten sind allein im Landkreis Vorpommern-Greifswald in den zurückliegenden zwei Jahren neun Horste zerstört worden. Es waren jeweils zwei Rotmilan- und Schwarzmilan-Nester sowie fünf Mäusebussard-Horste, konstatierte das zuständige Umweltamt. Damit hat sich die Zahl der im Kreis zerstörten Horste auf 28 erhöht, sagte ein Kreissprecher.