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Geflügelpest breitet sich in der Lausitz aus

Hinter Gittern: Schon seit mehreren Wochen gilt in Teilen Brandenburgs für Geflügel eine Stallpflicht. Die Gesundheitsbehörden raten dringend, diese zu befolgen.
Hinter Gittern: Schon seit mehreren Wochen gilt in Teilen Brandenburgs für Geflügel eine Stallpflicht. Die Gesundheitsbehörden raten dringend, diese zu befolgen. FOTO: dpa
Nachdem in der Lausitz mehrere Geflügelpest-Fälle nachgewiesen wurden, sind die Behörden damit beschäftigt, eine mögliche Ausbreitung zu verhindern. Die RUNDSCHAU erklärt, welche Maßnahmen jetzt ergriffen werden und was Tierhalter wissen sollten. Daniel Friedrich, Christian Taubert und Andrea Hilscher

Wo in der Lausitz konnte bisher die Geflügelpest nachgewiesen werden?
In einer Putenmastanlage bei Alt Zauche (Landkreis Dahme-Spreewald) wurde am Mittwoch der Krankheitserreger entdeckt. Bei einer wilden Gans im Stadtgebiet von Elsterwerda (Elbe-Elster-Kreis) hat sich am Donnerstag der Verdacht auf die Geflügelpest-Erkrankung bestätigt. Gestern hat zudem der Cottbuser Tierpark bekannt gegeben, dass bei drei Enten, die tot am Rande eines Teiches gefunden worden waren, der H5N8-Virus nachgewiesen wurde. Der Tierpark bleibt bis voraussichtlich Dienstag für den Publikumsverkehr gesperrt. Eine Tötung des Tierbestandes ist zunächst nicht vorgesehen.

Was unternehmen die Behörden?
Nach der Geflügelpestverordnung werden alle notwendigen Maßnahmen durch das jeweilige Veterinäramt getroffen. An den Hauptzufahrtswegen hängen weiß-rote Hinweisschilder. Es wurden ein Sperrkreis sowie ein Beobachtungskreis um das Fundgebiet errichtet.

In Alt Zauche mussten alle knapp 45 000 Puten notgeschlachtet werden. Der um den Ort errichtete Sperrbezirk bleibt vorerst mindestens 21 Tage bestehen - wenn keine weiteren infizierten Tiere gefunden werden. Geflügelhalter in den betroffenen Bereichen dürfen ihre Tiere nur noch im Stall unterbringen, um den Erreger nicht in weitere Nutzgeflügelbestände zu verschleppen. Alle Maßnahmen werden konsequent kontrolliert.

Was fordern Politiker?
Das Töten von 45 000 Puten bei Alt Zauche gibt erneut Anlass, die Massentierhaltung infrage zu stellen. In der RUNDSCHAU hatte der Landtagsabgeordnete der Grünen, Benjamin Raschke, betont, dass die Risiken und negativen Auswirkungen für Umwelt, Mensch und Tier bei einer derartigen Massentierhaltung nicht abschätzbar und kontrollierbar seien. Deshalb fordert der in Schönwalde - in der Nähe des jetzt betroffenen Betriebes in Alt Zauche-Burglehn - lebende Raschke dazu auf, "einen Systemwechsel einzuleiten".

"Was ist damit gemeint?" Die Frage stellt sich der stellvertretende Geschäftsführer des Brandenburger Bauernverbandes Uwe Tiet. In Berlin-Brandenburg werde noch immer nicht das Geflügel produziert, das der Verbraucher verlangt. Es sei "dummes Geschwätz", bei Geflügelpest oder Rinderwahn stets die konventionelle Landwirtschaft in Zweifel zu ziehen. "Die Wissenschaft ist gefragt", sagt Tiet und verweist auf die Tötung von Herden bei Verdacht auf BSE, "um im Nachhinein festzustellen, dass die Tiere nicht betroffen waren." Justiziar Tiet setzt darauf, "dass Möglichkeiten für eine Quarantäne von verdächtigen Beständen sowie Therapien erforscht werden".

Wie wird das Virus übertragen?
Für die Übertragung in einen Mastbetrieb wie bei Alt Zauche kommt eine Reihe von Faktoren infrage. Unter anderem werden Personen- und Fahrzeugverkehr, Waren, Futter und Wasser als Einschleppungsursachen in Betracht gezogen. Ebenso könnten Schadnager wie Ratten und Mäuse oder Wildvögel das Virus übertragen haben. Ist erst einmal ein Tier in einer großen Anlage betroffen, greift die Infektion schnell auf die gesamte Haltung über.

Geflügelpest oder Vogelgrippe - was ist es denn nun?
Die Begriffe Geflügelpest, Influenza und Vogelgrippe tauchen derzeit überall auf. Wirklich falsch ist keiner von ihnen. Dr. Jens Kämmerling, Tierparkdirektor in Cottbus: "Wenn ich das Wort Vogelgrippe höre, denke ich eher an eine nicht ganz so gefährliche Erkrankung, die jeden von uns mal treffen kann." Die tödliche Spanische Grippe assoziiere niemand mit der aktuellen Vogelgrippe. "Daher", so Kämmerling, "bevorzuge ich den Begriff Geflügelpest, der den Ernst der Erkrankung verdeutlicht und auch in den offiziellen Verordnungen verwendet wird." Beide Begriffe benennen eine Infektion mit dem Influenzavirus H5N8.

Wie kann ich mich schützen?
Fälle von Infektionen beim Menschen sind bisher nicht bekannt. Dennoch empfehlen die Behörden, den Kontakt mit potenziell infiziertem Geflügel und wildlebenden Vögeln zu meiden. Wer tote Vögel findet, sollte das dem zuständigen Veterinäramt melden. Keinesfalls anfassen! Hunde sollten in betroffenen Gebieten an der Leine geführt werden, da auch Säugetiere als Überträger infrage kommen. Hauskatzen, die hin und wieder auch draußen jagen, sollten im Haus verbleiben.

Da das Virus ausgesprochen empfindlich gegenüber hohen Temperaturen ist, gelten gut durcherhitzte (mindestens 70 Grad Celsius) Lebensmittel als unbedenklich. Das Fleisch hat dann keine rote Farbe mehr und es tritt kein roter Fleischsaft aus. Verzichten sollten Verbraucher in Gegenden mit Geflügelpest auf rohe Eierprodukte. Eier sollten festgekocht verzehrt werden.

Mehr Informationen

zu Fällen in der Lausitz unter www.lr-online.de/vogelgrippe

Zum Thema:
Bei den in allen Fällen nachgewiesenen Krankheitserregern handelt es sich um eine hoch ansteckende Influenza-Virus-Infektion. Die Viren vom Typ H5N8 können sich immer wieder leicht verändern. Dabei entstehen neue Varianten, die die Abwehr der befallenen Tiere unterlaufen. So kann sich das Virus schnell im gesamten Körper ausbreiten und führt dann zum Tod.Der Grippevirus H5N8 wurde erstmals Anfang 2014 in Südkorea nachgewiesen, wo bis September etwa 30 Ausbrüche der Tierseuche beobachtet wurden. Etwa zwölf Millionen Stück Geflügel mussten im Rahmen der Ausbrüche getötet werden. Auch aus China und Japan wurden vereinzelte Ausbrüche gemeldet. Das Geflügelpest-Virus ist laut Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit mittlerweile in 16 europäischen Ländern aufgetreten. Die derzeit nachgewiesenen Viren besitzen demnach klare genetische Unterschiede zu den Vogelgrippe-Viren, die bereits 2014/2015 in Europa aufgetreten sind.