Denn Seehofer macht gerne Witze - auf Kosten von Parteifreunden ebenso wie von Ministerialbeamten. Die Meinungen über den Humor des Ministerpräsidenten sind geteilt: Robustere Gemüter lachen, andere sind tief verletzt. Kabinettsmitglieder wie CSU-Landtagsabgeordnete beteuern, man schätze die Scherze des Ministerpräsidenten. Doch aus Humor wird häufig Ernst - insbesondere, weil viele in der CSU glauben, dass es sich um gezielte Kränkungen handelt. Seehofer nutze den Humor als Instrument der Machtausübung."Manche Minister muss ich schon am Montagmorgen anrufen und sagen, es reicht jetzt für diese Woche", lautet ein Witz im Seehofer-Repertoire, den er nach Angaben von Parteifreunden mehrfach erzählt hat. Damit zielt der Ministerpräsident unter anderem auf seinen hochtourigen Umweltminister Markus Söder. "Und bei anderen muss ich am Wochenende anrufen und nachfragen, ob sie noch am Leben sind", pflegt Seehofer fortzufahren. Intern hat Seehofer mehrere Kabinettsmitglieder angewiesen, größere Aktivität zu entfalten. Von Seehofer angeschoben wurde Anfang des Jahres unter anderen Kultusminister Ludwig Spaenle. Auch die CSU-Landtagsfraktion soll aktiver werden. Mehrfach Opfer von Seehofer-Scherzen und Sticheleien wurde auch Landtagsfraktionschef Georg Schmid.Viele klopften beiden außer Hörweite Seehofers auf die Schulter, doch in der Sitzung leistete niemand Beistand. Manche CSU-Politiker sagen, dass Seehofer ja eigentlich die Partei für die bevorstehenden Wahlkämpfe motivieren wolle. Wenn er sich aber über Parteifreunde lustig mache, so wirke das demotivierend, gibt ein CSU-Spitzenmann zu bedenken. Als Beispiel wird vielfach auf den zurückgetretenen Bundeswirtschaftsminister Michael Glos verwiesen. "Ich bleibe so wie ich bin", sagt Seehofer dazu. "Ein Politiker muss authentisch sein. Wir brauchen keine Friedhofsruhe."