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| 14:04 Uhr

Zecken
Gefährliche Blutsauger

Klein, aber tückisch. Zecken können schwere Infektionen auslösen.
Klein, aber tückisch. Zecken können schwere Infektionen auslösen. FOTO: dpa
Cottbus. Abendspaziergang an der Spree bei Cottbus. Nach wenigen Minuten ein kleiner dunkler Punkt auf dem T-Shirt. Ein Punkt, der sich bewegt. Dann noch einer und noch einer - bis es insgesamt sechs sind. Die kleinen Krabbler lassen sich nicht so einfach abschütteln, krallen sich fest, haben aber am Ende keine Chance. Dieses Mal nicht – Zecken. Von Frank Hilbert

Jene von der Spree waren der Gemeine Holzbock – der wohl bekannteste Blutsauger. Er gehört zu den Schildzecken und hat keine Augen. Die Zecke nutzt für die Orientierung das Hallersche Organ und ihre vielen Tasthaare an den Beinen. Damit kann sie Hindernisse und Bewegungen in ihrer Umwelt wahrnehmen. Ihre Opfer erkennt sie am Geruch, an der Körperwärme und am ausgeatmeten Kohlendioxid. Darüber hinaus gibt es noch Auwaldzecken, Igelzecken, Schafzecken und die Taubenzecke.

Der Holzbock gilt als besonders gefährlich für den Menschen, weil er Borrelien und den FSME-Virus (Frühsommer-Meningoenzephalitis) übertragen kann (Zum Thema - unten). Fachleute gehen von rund zwei Prozent aller Zecken aus, die in Risikogebieten mit dem FSME-Virus infiziert sind. Laut Robert Koch-Institut tragen zwischen fünf und 35 Prozent der Zecken Borrelien in sich. Im Schnitt beträgt die Wahrscheinlichkeit, sich nach einem Zeckenstich mit Borreliose zu infizieren, 1,5 bis sechs Prozent. Je länger die Zecke saugt, desto höher ist die Gefahr einer Ansteckung.

Mit 222 Fällen hatte es im vorigen Jahr im Landkreis Potsdam-Mittelmark die meisten Borreliose-Fälle in Brandenburg gegeben, wie auf Nachfrage vom Gesundheitsministerium des Landes zu erfahren ist. Dort wird diese Erkrankung registriert. Es folgen die Landkreise Barnim (189), Märkisch-Oderland (165), Oberhavel (156) und Dahme-Spreewald. Vergleichsweise wenig Borreliose-Fälle gab es in Elbe-Elster (37), Spree-Neiße (47) und der kreisfreien Stadt Cottbus (29).

Krankheitsmeldungen in diesem Jahr (Stand 13. Juli) lassen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf keinen überdurchschnittlichen Anstieg von Borreliose-Erkrankungen in unserer Region schließen. Im Landkreis Dahme-Spreewald gab es demnach 36 Borreliose-Erkrankungen. Im Jahr davor waren es bis zu diesem Zeitpunkt 34. Es folgen Elbe-Elster mit 16 (15), Spree-Neiße mit 15 (21) sowie Oberspreewald-Lausitz mit 13 (14) und Cottbus mit zwei (4) Fällen.

Zecken werden aktiv, sobald es an mehreren aufeinanderfolgenden Tagen sieben Grad Celsius warm oder wärmer ist. In Deutschland reicht die Zeckensaison deshalb in der Regel von Februar bis Oktober. Der Beginn oder das Ende der Saison können sich bei entsprechenden Temperaturen aber auch verschieben, heißt es seitens des Robert-Koch-Instituts (RKI).

Das Institut hat unlängst in Deutschland auch weiterhin 146 Kreise als FSME-Risikogebiete eingestuft. Vor allem Bayern, Baden- Württemberg, Südhessen sowie das südöstliche Thüringen sind hierbei betroffen. Zudem gibt es weitere Risikogebiete in Mittelhessen (LK Marburg-Biedenkopf), Rheinland-Pfalz (LK Birkenfeld) im Saarland (Saar-Pfalz-Kreis) und in Sachsen (Vogtlandkreis). Forscher haben zudem im März erstmals nachgewiesen, dass nicht nur der gemeine Holzbock, sondern auch die Auwaldzecke das FSME-Virus beim Stechen übertragen kann.

Das Infoportal zecken.de vermittelt viel Wissenswertes über Zecken und klärt auch über einige Irrtümer auf. So sollten Betroffene auf keinen Fall Klebstoff oder Öl zur Entfernung der Blutsauger benutzen. Die Zecke erstickt dadurch und kann im Todeskampf Viren (FSME) und Bakterien (Borreliose) in das Blut abgeben. Und so macht man es richtig: Mit einer spitzen Pinzette oder eine Zeckenkarte soll die Zecke hautnah angefasst werden. Danach soll das Insekt ein bisschen hin und her bewegt werden, um die Widerhaken am Stechapparat der Zecke zu lockern. Nun kann sie herausgezogen werden. Ist keine Pinzette oder Zeckenkarte zur Hand, die Zecke vorsichtig zwischen den Fingernägeln packen (nicht quetschen!) und senkrecht aus der Haut ziehen. Die Stichstelle anschließend reinigen und desinfizieren. Und auch das ist ein Irrtum: Es sei ein Mythos, dass sich Zecken vom Baum fallen lassen. Sie sitzt auf Grashalmen, an Buschzweigen und im Unterholz. Dort lauert sie auf Warmblüter wie Tiere oder Menschen. Im Vorübergehen lässt sich die Zecke dann von ihnen abstreifen. Eine erwachsene Zecke kann dabei bis zu 1,50 Meter hoch klettern. Meistens ist sie aber in Knie- bis Hüfthöhe zu finden.

Weltweit sind bis heute mehr als 900 verschiedene Zeckenarten bekannt. Der Parasit existiert bereits seit 350 Millionen Jahren. In Deutschland ist der Gemeine Holzbock die am häufigsten vorkommende Art. Zecken können bis zu 50 verschiedene Krankheitserreger übertragen, darunter Borreliose-Bakterien oder auch FSME-Viren. (mit Quelle: www.zecken.de)

Statistik zu Borreliose-Fällen in Brandenburg und in ausgewählten Regionen Sachsens von 2011 bis 2017

Zum Thema:

Borreliose
Borreliose-Symptome können vielseitig sein - davon werden auch einige bei anderen Erkrankungen beobachtet. Das macht es schwierig, eine Borreliose zu diagnostizieren.Ein charakteristisches Borreliose-Symptom ist die Wanderröte. Diese ringförmige Hautrötung kann einige Tage bis Wochen nach einem Zeckenstich rund um die Einstichstelle beobachtet werden. Allerdings tritt sie nicht bei allen Borreliose-Patienten auf. Im frühen Stadium einer Borreliose werden neben der Wanderröte auch Allgemeinsymptome wie Abgeschlagenheit, Fieber und Kopfschmerzen beobachtet. Danach können verschiedene Krankheitszeichen von starken Schmerzen über Herzprobleme bis hin zu einer Hirnhautentzündung auftreten. Relativ häufig wird auch eine Gesichtslähmung beobachtet. Im chronischen Spätstadium treten zudem oftmals Gelenkentzündungen auf. Da die Borreliose eine bakterielle Erkrankung ist, lässt sie sich vor allem im Frühstadium gut antibiotisch behandeln.

FSME
Betroffene erleben im typischen Fall die Krankheit in zwei Stadien. Typische anfängliche FSME-Symptome sind Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, ähnlich einer Sommergrippe. Unter Umständen ist die Erkrankung damit überstanden. Im Stadium II befällt bei einem Teil der Infizierten das FSME-Virus das zentrale Nervensystem. Die mildeste Form ist in diesem Fall eine Hirnhautentzündung (Meningitis). Die Symptome: hohes Fieber, starke Kopfschmerzen und häufig ein steifer Nacken. (Quelle: www.zecken.de )