Denn in seiner kleinen Musikwerkstatt im Oderbruch erklingen bekannte Mozartmelodien wie "Komm lieber Mai und mache" oder "Der Vogelfänger bin ich ja" auf der Drehleier, einem ungewöhnlichen Instrument aus dem Mittelalter mit Kurbel, Tasten und Saiten.
Rätz hat 30 Mozart-Klassiker umkomponiert für die Drehleier, nicht zu verwechseln mit der Drehorgel, wie der 70-jährige Musiker aus Altwriezen (Märkisch-Oderland) betont.
Denn bei der Drehorgel treibt die Kurbel Orgelpfeifen an, bei der Drehleier hingegen dreht die Kurbel ein Rad, an dem Saiten entlang schleifen. "Das Rad ist praktisch ein endloser Geigenbogen", erklärt der pensionierte Hochschuldozent, "mit den Tasten verschiebe ich die Saiten, wodurch die Melodien entstehen".

Schnelles Kurbel-Drehen
Das Besondere der Drehleier ist jedoch ein beweglicher Steg, der durch schnelleres Kurbel-Drehen vibriert, auf das unter ihm liegende Holz schlägt und ein rhythmisches Schnarren erzeugt. Was so kompliziert klingt, war im Mittelalter vor allem bei Bettlern, ziehenden Spielleuten und Bauern als Instrument beliebt.
In Frankreich ist das Musizieren auf der Drehleier zur Tradition geworden, in anderen europäische Ländern erlebt sie gerade eine Renaissance. Wohl auch deshalb ermunterten Instrumentenbauer und -spieler den einstigen Berliner Musikpädagogen Rätz, seine musikalischen Mozartübersetzungen zu veröffentlichen. Dass der berühmte Komponist die Drehleier gekannt hat, ist sicher, meint der einstige Musikpädagoge. Denn zu Mozarts Zeiten wurde die Drehleier in Österreich als gängiges Musikinstrument verwendet. Es soll sogar Stücke geben, wo der große Meister die Drehleier als Soloinstrument eingefügt hat.
Rätz selbst hat so eins, zumindest den Nachbau einer Drehleier, die am Hofe von Ludwig XV. in Frankreich gespielt wurde. Dann hat der 70-Jährige Melodien gesucht, sowohl vom großen Komponisten selbst, als auch aus dem Büchlein von Vater Leopold Mozart, das dieser zum Klavierlernen für den Sohn angelegt hatte.

Notenbüchlein herausgegeben
"Ich entwickelte Stücke für zwei Drehleiern oder für Drehleier und ein anderes Instrument - also mit mindestens zwei Stimmen." Der Tonumfang der Drehleier-Melodie-Saiten ist jedoch begrenzt und sorgte bei dem freiberuflichen Musiker für jeden Menge Kopfzerbrechen. Herausgekommen ist letztlich ein Notenbüchlein mit dem Titel "Gedreht und geschnarrt". Neben der Drehleiter spielt Rätz übrigens Oboe, Trompete und Akkordeon; Gitarre und Blockflöte, Geige und Bratsche.