Die Umgestaltung von Gedenkstätten des Nazi-Terrors zu modernen Museen mit humanitären und bildungspolitischen Aufgaben ist aus Sicht der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten ins Stocken geraten.

"Zwar haben die Einrichtungen bundesweit einen großen Aufschwung genommen, aber seit etwa dem Jahr 2000 ist der Prozess des transformatorischen Wechsels stehen geblieben", sagte Direktor Günter Morsch.

Dies gelte vor allem für die Gedenkstätten in den neuen Bundesländern. "Die Finanzierung im Westen steht auf solideren Füßen", meinte Morsch. "Man sollte darüber nachdenken, ob die bisherige Förderpolitik beibehalten werden muss, bei der jeweils 50 Prozent der Finanzen von Bund und Land kommen", so der Historiker.

Für ein Bundesland wie Brandenburg sei die Finanzierung ungleich schwerer als beispielsweise für Bayern. Dabei waren es nach der Wiedervereinigung zunächst die Gedenkstätten im Westen, die hinterherhinkten. "Das lag an der Tradition der Bundesrepublik", erklärte Morsch.

"Die Stätten nationalsozialistischen Terrors waren marginalisierte Orte, die größtenteils von ehrenamtlichen Kräften betreut worden sind." Seit der Bund sich auch hier an der Finanzierung beteilige, habe der Prozess der Modernisierung auch im Westen begonnen.

Angeschoben wurde er, so Morsch, durch die Auseinandersetzung mit der SED-Diktatur in der DDR.

Erst durch Enquete-Kommissionen seien bei NS-Gedenkstätten die Lücken deutlich geworden. "Nur durch die zweifache Geschichte von Orten wie Sachsenhausen und Buchenwald als sowjetische Speziallager ist die NS-Zeit überhaupt mit ins Boot gekommen", sagte der Historiker.

Mit etwa zehnjähriger Verspätung seien Orte wie Bergen-Belsen (Niedersachsen) oder Dachau (Bayern) als Einrichtungen gewachsen. "Nach den Vorreitern im Osten hat der Westen aufgeschlossen und teilweise sogar überholt."

Die Problematik im Osten war eine andere: Dort waren bereits vor 1989 durch die DDR an Orten wie Sachsenhausen, Buchenwald oder Ravensbrück große Gedenkstätten eingerichtet worden – jedoch instrumentalisiert durch den Staat. "Weil die Geschichte einseitig und lückenhaft dargestellt wurde, war der Nachholbedarf groß." Pädagogik und Didaktik seien auf völlig neue Füße gestellt worden – ohne eine Abhängigkeit zur jeweiligen Regierung.

Zum Thema:
Die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten wurde 1993 durch das Land gegründet. Aufgabe ist, an Terror, Krieg und Gewaltherrschaft zu erinnern und die Auseinandersetzung der Öffentlichkeit mit diesen Themen zu fördern. Unter dem Dach der Stiftung sind folgende Gedenkstätten vereint: die Gedenkstätte und das Museum Sachsenhausen mit dem Museum des Todesmarsches im Belower Wald als Außenstelle, die Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück und die Dokumentationsstelle im einstigen Zuchthaus Brandenburg/Havel. Der Stiftungsrat wird von international besetzten Gremien beraten und unterstützt. Ihm gehören auch Überlebende der Konzentrationslager an. Sitz des Vorstands und der Geschäftsstelle der Stiftung ist das ehemalige Gebäude der "Inspektion der Konzentrationslager" in Oranienburg bei Berlin.