Vor dem Reichstag werden am Abend rund 500 Soldaten ein feierliches Gelöbnis ablegen. Die Ansprache hält Bundespräsident Joachim Gauck. Aus Protest gegen das Gelöbnis wollen Pazifisten vor der Neuen Wache gegen militärische Interventionen protestieren.

Die Polizei hat Absperrungen rund um den Reichstag angekündigt. Zuvor wird in der Gedenkstätte Deutscher Widerstand am sogenannten Bendlerblock der Toten des Umsturzversuchs vor 69 Jahren gedacht.

Am Nachmittag wird der Literaturwissenschaftler Karl Heinz Bohrer bei einer Feierstunde der Stiftung 20. Juli 1944 eine Ansprache in der Gedenkstätte Plötzensee halten. In dem ehemaligen Gefängnis waren nach 1933 Tausende Gegner des NS-Regimes hingerichtet worden. Am 20. Juli 1944 hatten Wehrmachtsoffiziere und Zivilisten um Claus Schenk Graf von Stauffenberg versucht, Hitler zu töten und in Berlin die Macht an sich zu reißen. Sie scheiterten mit einem Bombenanschlag in Hitlers "Führerhauptquartier Wolfsschanze" in Ostpreußen. Zahlreiche Verschwörer wurden daraufhin verhaftet und hingerichtet. Stauffenberg selbst und einige Mitverschwörer wurden im Hof des Bendlerblocks erschossen.

Die Tradition des feierlichen Gelöbnisses von Bundeswehr-Rekruten gibt es seit 1999. Damit soll die Bedeutung des militärischen Widerstands für das Verständnis der Bundeswehr unterstrichen werden. Lange Jahre fand die Zeremonie auf dem Paradeplatz des Bendlerblocks statt, in dem sich heute das Verteidigungsministerium befindet.

Bereits am Donnerstag hatte das Einsatzführungskommando der Bundeswehr an den militärischen Widerstand gegen Hitler erinnert. An der Gedenkveranstaltung in der Henning-von-Tresckow-Kaserne in Geltow bei Potsdam nahmen der frühere Bundesaußenminister Dietrich Genscher (FDP), der Potsdamer Landtagspräsident Günter Fritsch sowie Familienangehörige von Widerstandskämpfern teil.

Geehrt wurde der Generalmajor der Wehrmacht, Henning von Tresckow, der einer der führenden Köpfe des militärischen Widerstandes war. Die Kaserne in Geltow trägt seit 1992 seinen Namen. Nach einer Andacht wurden Kränze und Blumengebinde niedergelegt.

Von Tresckow erlebte als Chef des Stabes der 2. Armee an der Ostfront den 20. Juli. Ohne selbst eingreifen zu können, verfolgte er das Scheitern des Attentats. Am nächsten Tag nahm er sich das Leben. Es werde an einen Mann erinnert, der wie kaum ein anderer die moralische Bedeutung des Aufstandes des Gewissens verkörperte, sagte der Sprecher des Einsatzführungskommandos, Thomas Kolatzki. Seinen Namen zu ehren, sei eine große Verpflichtung für die Soldaten.